Zwei parallele Säugetier-Linien

Die Zähne, die heutige Säugetiere von den ersten Säugetier-Urahnen unterscheiden, sind parallel in zwei unabhängigen Linien entstanden. Dies berichten drei Forscher, die Zähne und Skelette von über 20 Säugetierarten miteinander verglichen. Die ältesten in die Untersuchung einbezogenen Fossilien sind 165 Millionen Jahre alt.

Die ersten Säuger verfügten nur über ein einfaches Gebiss, bei dem die Zähne aneinander vorbei liefen. Erst im so genannten tribosphenischen Gebiss treffen die vorderen Zähne exakt aufeinander und greifen die Backenzähne ineinander. Sie ermöglichen somit neben dem einfachen Kauen auch das Schneiden und Zermahlen der Nahrung. Derartige Zähne setzten sich durch, weil die Säuger mit ihnen auch harte Gräser fressen konnten.

Ausschnitt aus dem Säugetier-Stammbaum Abbildung: Stammbaum laut Zhe-Xi Luo, Carnegie Museum of Natural History

Entgegen bisheriger Annahmen sind die tribosphenischen Zähne offenbar gleichzeitig und unabhängig voneinander in zwei Säuger-Linien entstanden. Die eine Linie entwickelte sich demnach auf dem früheren südlichen Urkontinent Gondwana, aus dem sich später Südamerika, Afrika, Indien, die Antarktis und Australien bildeten. Die zweite Linie soll auf der nördlichen Landmasse Laurasia gelebt haben, die dann zu Nordamerika, Europa und Asien wurde.

Auf Gondwana entwickelten sich nach Ansicht der Forscher die eierlegenden Monotremen, die bis heute in nur wenigen Arten überlebt haben. Die meisten modernen Säuger gehören den Beuteltieren und den Placentalsäugetieren an. Sie könnten sich nach der neuen Theorie vor 84 bis 65 Millionen Jahren von Norden kommend die südliche Halbkugel erobert haben.

Kritiker der Zahn-These verweisen allerdings auf die schwache Datengrundlage, die eine solch weitreichende Theorie nicht zulasse. Erst müssten noch mehr Fossilien gefunden werden, um die zahlreichen Lücken im Stammbaum der Säugetiere zu füllen.

Forschung: Zhe-Xi Luo, Carnegie Museum of Natural History, Pittsburgh; Richard Cifelli, Oklahoma Museum of Natural History; Zofia Kielan-Jaworowska, Polish Academy of Sciences; in „Nature“, 4.1.01 Vol. 409 No. 6816 p 53-57

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