Sind Massengräber Hinweise auf tierisches Sozialverhalten?

Wissenschaftliche Arbeiten über Dinosaurier, erste Säuger und den frühen Menschen bewegen sich meist im Bereich des Spekulativen, wenn es um das Sozial- und Sexualleben der Spezies geht. Fossile Funde verraten eben nur selten wirklich Eindeutiges über das Verhalten der Lebewesen. Forscher aus den USA und der Mongolei glauben jetzt, derartige Spekulationen auf eine solidere Grundlage stellen zu können. Sie wollen dazu fossile Massengräber mit denen von lebenden Spezies vergleichen.

Der us-amerikanische Forscher Joel Berger und sein internationales Team berufen sich in ihrer Arbeit vor allem auf die Untersuchung von Huftieren, darunter Hirschen, Rindern und Mammuts. Deren Sozialverhalten spiegele sich in den Massengräbern wieder, meinen die Forscher. Zu Massensterben kann es etwa kommen, wenn sich Gruppen von Tieren in Sümpfen verirren, wenn sie auf gefrorenen Seen einbrechen oder von Bränden eingeschlossen werden.

39 derartige tragische Unglücksfälle im Tierreich hat das Forscherteam untersucht. Zu den ältesten einbezogenen Funden gehörten die ausgestorbenen irischen Elche und sibirische Mammuts. Man habe meist nur männliche oder nur weibliche Tiere in den einzelnen Gräbern gefunden, berichten die Forscher. Dies könne belegen, dass schon frühe Huftiere ein Sozialverhalten hatten wie die meisten heute lebenden Arten, in denen sich Männchen und Weibchen in getrennten Gruppen bewegen und nur zur Paarung zusammenkommen.

Allerdings hat die Untersuchung auch ihre Tücken, wie die Forscher am Beispiel des Zebras lernen mussten: Das Geschlecht der Zebras ist zum einen allein an den Knochen kaum zu erkennen. Zum anderen variiert ihr Sozialverhalten stark. Manche Zebras leben in geschlechtlich getrennten Gruppen, andere in gemischten, mitunter schart sich auch ein Harem weiblicher Zebras um ein einzelnes männliches Tier. Entsprechend schwer zu interpretieren sind Massengräber der Zebras.

Noch schwieriger wird es im Fall der Dinosaurier, die komplett ausgestorben sind. Sind Gräber noch zu vergleichen, wenn eine Spezies keine lebenden Nachfolger hinterlassen hat? Mit Sicherheit ja, meint Peter Dodson, Paläontologe an der Universität von Pennsylvania. Er hält es für einen vernünftigen Ansatz, Massengräber von Sauriern mit denen „moderner“ Tiere zu vergleichen. Was das Huftier über die frühe Echse verrät, ist aber noch offen.

Forschung: Joel Berger, University of Nevada, Reno, in „Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences“, 22.1.01, Vol. 268, No. 1463, pp 131-139 (2001)

Weiter im Web:
Veröffentlichung in den „Proceedings“

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