Allosaurus: Reißen statt Zerbeißen

Neue Erkenntnisse über die Fressgewohnheiten des Allosaurus hat eine britische Forscherin jetzt vorgelegt. Dazu wurde der Schädel eines Allosaurus fragilis mit Hilfe der Computer-Tomografie eingescannt und im Rechner nachgebaut. Mit einem Programm, das normalerweise Ingenieure zum Konstruieren nutzen, konnten die Kräfte des Kiefers berechnet werden.

Schädel des Allosaurus Computermodell des Schädels; E.J. Rayfield, University of Cambridge
Zum Vergrößern anklicken!

Der Schädel des Allosaurus war sehr schlank und groß, dank mehrerer Löcher – so genannter „Schädelfenster“ – zugleich auch recht leicht. Die flexiblen Knochen wurden durch ein Netz feiner Verstrebungen zusammengehalten. Die Rekonstruktion ergab, dass der Schädel über eine sehr kompakte und kräftige Muskulatur verfügt haben muss. Die 80 oder mehr Zähne konnten dagegen nur überraschend schwach zubeißen, schreibt die Forscherin im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Die Wissenschaftlerin kommt zu dem Schluss, der Allosaurus habe seiner Beute Fleischstücke aus dem Körper gerissen, aber nicht wie etwa der Tyrannosaurus rex ganze Knochen durchbeißen können. Das Gebiss des Tyrannosaurus war schwerer, konnte aber auch mindestens viermal so kräftig zubeißen.

Den Allosaurus gab es schon lange vor den Tyrannosauriern. Er gehörte zu den aufrecht laufenden Jägern in der oberen Jura bis unteren Kreidezeit vor etwa 100 bis 150 Millionen Jahren. Allosaurier wurde über vier Meter groß und zwölf Meter lang. Fossile Spuren wurden in Nordamerika, Afrika und Australien gefunden.

Die Rekonstruktion seines Schädels erlaubt jetzt Rückschlüsse auf seine Jagdgewohnheiten. Weil der Kopf so leicht war, konnte Allosaurus wahrscheinlich sehr schnell auf seine Beute zustoßen. Zu seinen Opfern sollen nicht nur kleinere Tiere gehört haben. Auch wesentlich größeren Pflanzenfressern hat er vermutlich schwere Wunden zugefügt und sie so geschwächt.

Aus Nordamerika sind Brontosaurier-Skelette bekannt, die Spuren von Allosaurus-Bissen aufweisen sollen. Im Umfeld der riesigen Pflanzenfresser wurden auch abgebrochene Allosaurus-Zähne gefunden. Trotz fehlender Kieferkraft dürfte sich der Jäger also an doppelt so große Opfer herangewagt haben.

Forschung: Emily J. Rayfield, Department of Earth Sciences, University of Cambridge, in „Nature“ Vol. 409, No. 6823, pp 1033-1037

Weiter im Web:
Department of Earth Sciences, University of Cambridge
BBC-Video zum Thema

Werbung

Wie hat Ihnen der Beitrag gefallen?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend (noch unbewertet)
Loading...