Schnelles Sterben vor 200 Millionen Jahren

Eines der großen Massensterben in der Tierwelt ereignete sich vor rund 200 Millionen Jahren. Damals verschwand etwa die Hälfte aller Spezies. Bisherige Theorien gingen meist davon aus, dass sich dieser Prozess über rund fünf Millionen Jahre hinzog. Jetzt haben amerikanische und kanadische Forscher Hinweise gefunden, dass das Sterben innerhalb von nur 10.000 Jahren stattgefunden haben könnte. Dies wäre aus geologischer Sicht nur ein Augenzwinkern. „Es war eine sehr schnelle, keine sich hinziehende Episode“, glaubt Forschungsleiter Peter Ward von der Universität Washington.

Als Beleg seiner These verweist der Forscher im Magazin „Science“ auf die Queen Charlotte Inseln vor der Westküste Kanadas. Dort untersuchte das Paläontologen-Team Ablagerungen von so genannten Radiolarien. Diese einzelligen Wassertierchen waren – vergleichbar dem heutigen Plankton – im damaligen Urmeer weit verbreitet. Die Radiolarien gelten deshalb als Leitfossilien. Ihre winzigen Skelette aus Kieselsäure haben sich bis in unsere Tage in dicken Ablagerungen erhalten.

Aus der Datierung dieser Ablagerungen haben die Forscher nun ermittelt, dass die Zahl der Radiolarien vor 200 Millionen Jahren für kurze Zeit stark zurückging. Diese Schwächeperiode soll rund 10.000 Jahre gedauert haben. Weil die Einzeller vielen Meerestieren als Nahrung dienten, dürfte ihr Rückgang Folgen für die gesamte Meeresfauna gehabt haben.

Etwa zeitgleich brach der Urkontinent Pangaea auseinander. Das Datum markiert zudem das Auftreten der ersten Säugetiere und den Beginn der Dinosaurier-Herrschaft. Die Radiolarien, deren Spuren heute vor Kanada ruhen, lebten damals vermutlich in Äquator-Nähe.

Wenn das damalige Sterben tatsächlich nur 10.000 Jahre dauerte, lässt das zwangsläufig an zwei weitere, gleich schnelle Massensterben denken. Diese ereigneten sich vor 250 Millionen Jahren (Verschwinden von 95 Prozent aller Spezies, darunter Brachiopoden und Trilobiten) und vor 65 Millionen Jahren (Sterben der Dinosaurier). Für beide Ereignisse werden Einschläge von Himmelskörpern als Auslöser vermutet.

Es wäre durchaus möglich, dass auch beim Desaster vor 200 Millionen Jahren ein Einschlag das Sterben verursachte. Beweise für diese Vermutung stehen allerdings noch aus. Spuren von Iridium, die als Indiz für auf die Erde eingeschlagene Himmelskörper gelten, fanden die Forscher bisher noch nicht.

Forschung: Peter Ward, University of Washington, James Haggart, Howard Tipper, Geological Survey of Canada, in „Science“, 11.5.2001, Vol. 292, No. 5519, pp 1148-1151

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