Gingen Flugsaurier vierfüßig?

Die Fortbewegung der Flugsaurier auf dem Lande ähnelte wohl weniger den zweibeinig laufenden Vögeln als eher den heutigen Fledermäusen. Wie die Online-Ausgabe des „National Geographic Deutschland“ berichtet, belegen neue Fossilfunde, dass die Flugsaurier der Gattung Pterodactylus vermutlich vierfüßig liefen.

Bild: Museum für Naturkunde, Karlsruhe

Die jetzt untersuchten Funde aus dem Solnhofener Plattenkalk und aus Brasilien zeigen eine hervorragende Weichteilerhaltung und liefern neue Einblicke in die Anatomie der Pterosaurier, berichten die Paläontologen Helmut Tischlinger aus Stammham und Eberhardt Frey vom Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe. Bei der Präparation der Fossilien unter UV-Beleuchtung entdeckten die Forscher sehr gut erhaltene Flughautabdrücke. Geradezu spektakulär waren jedoch die gut sichtbaren Weichteilstrukturen im Schädelbereich und an den Füßen.

So fanden sich am Schädel eines Solnhofener Kurzschwanz-Flugsauriers (Pterodactylus sp.) die hautartigen Überreste eines Scheitelkammes. Noch besser sind die Hintergliedmaßen erhalten: An den beiden Füßen ist zwischen Mittelfuß- und Zehenknochen noch eine Zwischenhaut bestens zu erkennen. An den Krallen mit den Zehen fanden die Forscher sichelförmig gebogene Hornscheiden. Erstmals entdeckt wurden am Solnhofener Fossil die beschuppten Fersenpolster.

Durch diese Erkenntnisse wird nach 150 Jahren wissenschaftlicher Diskussion klar: Die Flugsaurier bewegten sich höchstwahrscheinlich vierfüßig wie Fledermäuse und nicht auf zwei Beinen wie Vögel.

Quelle: National Geographic Deutschland, Mai 2001
Forschung: Helmut Tischlinger, Stammham; Eberhardt Frey, Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe

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