Kleiner Säuger-Urahn gefunden

16 Jahre nach seiner Entdeckung in der chinesischen Provinz Junnan ist jetzt ein bisher unbekanntes, frühes Säugetier identifiziert worden. Chinesische und amerikanische Forscher haben von dem „Hadrocodium wui“ getauften Tier allerdings nicht mehr als den zwölf Millimeter langen fossilen Schädel vorzuweisen. An diesem Schädel konnten Merkmale festgestellt werden, die ihn den Säugetieren zugehörig erscheinen lassen.

Säugetier-Urahn Zu diesen wichtigsten Merkmalen gehört die Trennung zwischen Mittelohr-Knochen und Unterkiefer. Bei Reptilien sind diese Knochen miteinander verwachsen. Den Säugern garantierte ihr flexiblerer Schädel dagegen im Verlauf der Evolution eine Reihe von Vorteilen: Das Gehirn hatte mehr Platz zum Wachsen und das Gehör entwickelte sich besser. Weil der Unterkiefer der Säuger im Gegensatz zu den Reptilien aus nur einem Stück besteht, ist zudem ein kräftigerer Biss garantiert.

„Es scheint so, als ob einige Veränderungen an Kiefer und Ohr der Säugetiere schon vor dem Auftreten von Hadrocodium ausgebildet waren“, meint Zhe-Xi Luo vom Carnegie Museum of Natural History. Seiner These nach fing das Säuger-Hirn erst an zu wachsen, nachdem der Unterkiefer bereits ausgereift war. Röntgenbilder des Schädels legen den Verdacht nahe, dass das Gehirn nicht gleichmäßig sondern stufenweise in verschiedene Richtungen wuchs.

Aus der Schädelgröße errechneten die Forscher, dass Hadrocodium insgesamt etwa zwei Gramm gewogen haben könnte. Die Zähne lassen zudem vermuten, dass es sich um einen Insektenfresser gehandelt hat. Viel mehr ist von dem rund 195 Millionen Jahre alten Tier nicht gesichert bekannt. Dass es sich um ein kleines Pelztier gehandelt hat, ist bereits eine Interpretation der Forscher. Äußerst skeptisch muss man die fantasievollen Rekonstruktionen betrachten, die einen braunen, Marder-ähnlichen Nager mit weißem Bauch zeigen.

„Hadrocodium könnte ein entfernter Verwandter von uns sein, ein früher Säuger, der zusammen mit den Urahnen der modernen Säugetiere lebte“, spekuliert Luo. Andererseits, so räumt der Forscher ein, könnte diese Linie auch ausgestorben sein, ohne Nachkommen unter den heutigen Säugetieren hinterlassen zu haben. Die Einordnung des Fundes fällt schwer, weil erst wenige ähnlich alte Säuger-Fossilien identifiziert wurden.

Die ersten Säugetiere traten in der oberen Trias auf – vor über 200 Millionen Jahren. Sie lebten „im Schatten“ der Dinosaurier, überstanden aber deren Massensterben vor rund 65 Millionen Jahren. Danach begann die große Zeit der Säuger. Sie soll im Miozän vor etwa 15 Millionen Jahren ihren Höhepunkt erreicht haben. Schlechtere klimatische Bedingungen und die dann folgenden Eiszeiten ließen viele Säuger verschwinden.

Forschung: Zhe-Xi Luo, Alfred W. Crompton, Carnegie Museum of Natural History, in „Science“ Vol. 292, No. 5521 pp 1535-1540

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