Wer schneller wächst, ist länger groß

In ihrem Wachstum ähnelten Dinosaurier den modernen Säugetieren: Sie wuchsen in jungen Jahren schnell auf ihre endgültige Größe heran, die sie dann nahezu unverändert durch ihr erwachsenes Leben trugen. Zu dieser Einschätzung gelangte eine Arbeitsgruppe amerikanischer Paläontologen, die Saurier-Knochen auf ihr Wachstum untersuchten und diese Daten mit einer Reihe früherer Studien verglichen. Die Ergebnisse wurden im Magazin „Nature“ veröffentlicht. Nach Meinung der Forscher kann jetzt die These als widerlegt gelten, Saurier wären wie viele Reptilien ihr Leben lang gewachsen.

Die These vom Wachstum bis zum Tod hielt sich in Fachkreisen über mehr als hundert Jahre, ohne je in Frage gestellt zu werden. Zu nah schien den Forschern die Verwandtschaft zwischen Dinos und Reptilien. Zum Vergleich wurden gern heutige Krokodile herangezogen, deren Länge ihr Alter verraten. Erst vor rund dreißig Jahren, als eine intensive Diskussion über den Stoffwechsel der Dinosaurier begann, dachte die Fachwelt auch über das Wachstum der Tiere neu nach.

Erschwert wurde die Lösung des Problems lange Zeit durch die zu kleine Zahl brauchbarer Funde. Außerdem können Klima, Ernährung und andere Faktoren das Knochenwachstum beeinflussen. Damit unterliegen die Knochen der Saurier ähnlichen Schwankungen wie die Jahresringe der Bäume. Mittlerweile erlaubt es die Datenlage, bis zu 230 Millionen Jahre weit zurückzublicken. Schon damals soll es beim Wachstum deutliche Unterschiede zwischen Sauriern und Reptilien gegeben haben, schreibt Kevin Padian, Paläontologe an der University of California, Berkeley.

So konnte beispielsweise der Maiasaura, ein Entenschnabel-Dino aus Nordamerika, seine endgültige Länge von sieben Metern schon in den ersten sieben Lebensjahren erreichen. Das Urzeit-Krokodil Deinosuchus benötigte dagegen über vierzig Jahre, um auf sieben Meter zu kommen. Dafür konnte es aber kontinuierlich weiterwachsen und bis zum 50. Geburtstag noch einen Meter zulegen.

Ergänzend berichtet Gregory Erickson von der Florida State University in Tallahassee, dass Wachstum und Körpergröße bei Sauriern wie Säugern vergleichbar eng zusammenhängen: Große Tiere wachsen schneller, kleine lassen sich deutlich mehr Zeit. Am schnellsten wächst folglich der Blauwal, der größte lebende Säuger, der in jungen Jahren täglich bis zu 66 Kilo zulegen kann. Seine Entsprechung findet sich bei den Sauriern mit dem Apatosaurus, früher Brontosaurus genannt. Der über zwanzig Meter lange Pflanzenfresser soll bis zu 30 Tonnen schwer gewesen sein. Immerhin 14 Kilogramm konnte er sich pro Tag anfressen, um dieses Gewicht zu erreichen.

Forschung: Kevin Padian, Armand J. de Ricqies, John R. Horner, pp 405-408; Gregory M. Erickson, Kristina Curry Rogers, Scott A. Yerby; in „Nature“, Vol. 412, 26.7.2001, pp 429-433

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