Erste Erdkruste schon vor 4,4 Milliarden Jahren

Die erste kontinentale Kruste der Erde entstand wahrscheinlich früher als bisher geschätzt. Mineralogen der Universität Münster haben nachgewiesen, dass zur Datierung herangezogene Zerfallsprozesse radioaktiver Isotope bisher falsch berechnet wurden. Die „geologische Uhr“ muss deshalb um mehr als vier Prozent nachgestellt werden, berichten die Forscher im Magazin „Science“.

Den Geologen stehen für Zeitmessungen mehrere „Uhren“ zur Verfügung, die auf dem Zerfall von natürlich vorkommenden radioaktiven Isotopen beruhen. So zerfällt etwa das Isotop 238 Uran mit der Zeit zu dem stabilen Isotop 206 Blei oder das Isotop 176 Lutetium zum stabilen 176 Hafnium. Durch Messungen der Mengen von Uran und Blei oder Lutetium und Hafnium in einem Mineral oder Gestein kann auf diese Weise die Zeit festgestellt werden, die seit seiner Bildung vergangen ist. Jedes Mineral und Gestein enthält seine eigene innere Uhr, die bei der Bildung des Minerals oder Gesteins zu ticken beginnt.

Die „geologische Uhr“ kann nur richtig abgelesen werden, wenn die Zerfallsgeschwindigkeit der radioaktiven Isotope exakt berechnet wird. Dafür muss die so genannte Halbwertszeit zunächst kalibriert werden. Erik Scherer, Carsten Münker und Klaus Mezger vom Mineralogischen Institut der Universität Münster haben jetzt eine solche geologische Uhr, das „Lutetium-Hafnium-Isotopensystem“, neu kalibriert. Sie fanden heraus, dass die Zerfallsrate von Lutetium um mehr als vier Prozent kleiner ist als bisher angenommen. Demnach liegen die ältesten geologischen Prozesse, die mit dieser Uhr gemessen werden, entsprechend weiter zurück.

Bisher glaubte man, die 4,56 Milliarden Jahre alte Erde haben die ersten 500 Millionen Jahre keine feste Kruste besessen. Nach der Neukalibrierung ist jetzt davon auszugehen, dass sich schon nach etwa 200 Millionen Jahren erste Kontinente bildeten. Dies lässt sich aus Zirkon herauslesen, dem ältesten Mineral der Erde, schreibt der schweizer Forscher Jan Kramers in einem begleitenden Artikel in „Science“. Zirkon findet sich in Granit, der seinerseits nur in der kontinentalen Kruste vorkommt. Das älteste Gestein – nach herkömmlicher Methode auf ein Alter von 3,7 bis 4 Milliarden Jahre geschätzt – findet sich im westlichen Grönland, in Kanada und im Westen Australiens. Es könnte zu einem „Flickenteppich“ früher Kontinente gehört haben, die nach neuer Rechnung vor 4,3 bis 4,4 Milliarden Jahren entstanden.

Die Neudatierung ist erstaunlich, weil sowohl Erde als auch Mond in der ersten 500 Millionen Jahren von großen Meteoritenschauern bombardiert wurden, die eigentlich jede feste Kruste und frühes Leben zerstört haben sollten. Diese Annahme muss nun nach Ansicht der Münsteraner Mineralogen zumindest teilweise revidiert werden: Die ältesten Kontinente der Erde haben wohl das Meteoritenbombardement im frühen Sonnensystem überlebt. Somit könnte bereits zu dieser Zeit einfaches Leben auf der Erde existiert haben.

Forschung: Erik Scherer, Carsten Münker, Klaus Metzger, Mineralogisches Institut der Universität Münster; in „Science“ Vol. 293, No. 5530, 27.7.01, pp 683-687; ergänzender Artikel von Jan Kramers, Labor für Isotopengeologie, Mineralogisches-Petrologisches Institut, Universität Bern, pp 619-620

Weiter im Web:
Mineralogisches Institut der Universität Münster

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2 Kommentare

  1. Alles was hier steht, ist unsinn! Gott hat die Welt erschaffen. Wer glaubt, dass die Erde aus Zufall entstanden ist, genauso wie die Natur und ihre hochkomplizierten Lebewesen, der hat einen stärkeren Glauben als mancher Christ. Es ist durchaus leichter, an jemanden zu glauben, der sich das alles ausgedacht hat, als wenn es von zufall entstanden wäre! Wenigstens sind Sie einen Schritt weiter gekommen, dass die Erde garnicht so alt ist, wie geschätzt wird….

  2. Wenn es für Sie „leichter“ ist, „an jemanden zu glauben, der sich das alles ausgedacht hat“, dann machen Sie das so. Anstatt auf Glauben setzt der vernünftige Teil der Menschheit glücklicherweise auf Wissen. Alles andere bringt uns auch nicht weiter.

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