„Ich schau Dir auf die Nase, Dino…“

Weil von Sauriern in der Regel nur fossile Knochen gefunden werden, ist ihre äußere Gestalt nahezu unbekannt. Die farbenprächtig illustrierten Rekonstruktionen, die Forscher in ihren Veröffentlichungen präsentieren, orientieren sich meist an lebenden Tieren. Die Entwürfe können deshalb zu recht unterschiedlichen Varianten führen – bedingt durch das lebende Vorbild, das die Forscher für den nächsten Verwandten halten.

Bilder: Science / Ohio University

Ein gutes Beispiel für die Problematik liefern die Nasenrekonstruktionen, die der US-Forscher Laurence Witmer jetzt vorgelegt hat. Im Magazin „Science“ vom 3.8.2001 stellt Witmer die bisherige Platzierung der Nasenlöcher in Frage, die seiner Meinung nach meist viel zu weit hinten auf dem Dino-Schädel vermutet werden. Witmer glaubt, die Öffnungen hätten weit vorn, dicht über dem Maul gelegen. (Bild oben: Mögliche Varianten bei einem Tyrannosaurus rex)

Seine These stützt Witmer auf Vergleiche der Dinosaurier mit 45 lebenden Tierarten. Der Forscher nahm Röntgenbilder von Vögeln, Krokodilen und Echsen zu Hilfe und übertrug das Verhältnis von Schädelform zu Nasenlöchern auf die Saurier. Wie die Röntgenbilder rechts unten zeigen, liegen die Nasenöffnungen der untersuchten Tiere immer an der Spitze der Schädelöffnung (als weißer Fleck hervorgehoben). Sollten auch die Nasenlöcher der Dinosaurier tatsächlich weiter vorn gelegen haben, könnte das auf einen besseren Geruchs- und Geschmackssinn hinweisen: Die Oberfläche der Nasenschleimhaut wäre wesentlich größer gewesen als bisher vermutet. Die geatmete Luft hätte auch der Körpertemperatur besser angepasst werden können.

Witmer kritisiert, dass das herrschende Bild von der Dino-Nase noch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Damals hielt die Forschung Sauropoden für Amphibien und rekonstruierte die Nasenlöcher nach dem Vorbild im Wasser lebender Tiere. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schädel der Saurier mitunter sehr große Öffnungen aufweisen. Beim Triceratops erstreckten sie sich beispielsweise mit über 60 Zentimeter über die halbe Länge des Schädels. Theoretisch könnte die Nase irgendwo auf dieser Strecke gelegen haben.

Witmer ist sich aber sicher, dass Saurier nach dem Vorbild heutiger Tiere eine Art Stützgewebe ihrer fleischlichen Nase gehabt haben müssen. Da Gewebespuren an fossilen Funden extrem selten sind, lässt sich die These aber nicht eindeutig beweisen.

Forschung: Laurence M. Witmer, Ohio University, in „Science“, 3.8.01, Vol. 293, pp 850-853

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