Wale und Huftiere haben gemeinsame Ahnen

Wale sind mit Schweinen, Rindern und anderen Huftieren verwandt. Diese These konnte jetzt anhand neuer fossiler Funde bewiesen werden. Durch DNA-Vergleiche hatten Biologen zwar bereits früher Hinweise gefunden, dass Wale und Huftiere gemeinsames Erbgut besitzen. Unter Paläontologen war der Zusammenhang aber nicht unumstritten. Die Kritiker verwiesen auf fossile Funde, nach denen die Wale von einem einzelnen ausgestorbenen Huftier hätten abstammen können. Diese Theorie scheint mit den neuen Funden endgültig widerlegt.


Foto und Zeichnung: Northeastern Ohio University, Illustration von Carl Buell

Die Skelette gemeinsamer Vorfahren haben jetzt zwei amerikanische Forschergruppen in Pakistan ausgegraben. Demnach müssen die Urahnen der Wale vor rund 50 Millionen Jahren noch auf dem Land gelebt haben. Entdeckt wurden gleich vier bisher unbekannten Säugetiere, die etwa so groß wie Füchse und Wölfe waren. Ihre Skelette sind fast vollständig erhalten und ähneln denen von Schweinen und Tapiren. Ungewöhnlich sind allerdings die langen Schädel, die deutliche Wal-Merkmale aufweisen. Die beiden Teams identifizierten jeweils zwei der Arten, die jetzt in den Magazinen „Nature“ und „Science“ vorgestellt werden.

Pakicetus Hans Thewissen und Kollegen vom Northeastern Ohio Universities College of Medicine in Rootstown präsentieren in Nature den Fuchs-großen Ichthyolestes und Pakicetus, der die Höhe eines Wolfes erreichte (siehe Foto oben; die Rekonstruktion rechts zeigt das mögliche Aussehen des Pakicetus). Philip Gingerich von der University of Michigan in Ann Arbor stellt ergänzend in „Science“ den Artiocetus und den Rodhocetus vor. Diese Exemplare sind „nur“ 47 Millionen Jahre alt und dem Leben im flachen Wasser schon weiter angepasst.

Christian de Muizon vom Naturhistorischen Museum Paris kommentiert in „Nature“, die neuen Funde seien für die Evolution der Wale so bedeutsam wie der Archaeopteryx für die Vogelwelt.

Die bisher ältesten bekannten Wal-Vorfahren waren die Archaeoceti. Sie traten vor rund 45 Millionen Jahren im Unteren Eozän auf. Die Tiere von höchstens drei Meter Länge besaßen noch Beine und lebten vermutlich in flachen Uferzonen. Nach neuen Theorien könnten sie innerhalb von nur acht Millionen Jahren zu „echten“ Meeressäugern mutiert sein.

Forschung: J.G.M. Thewissen, E.M. Williams, Department of Anatomy, Northeastern Ohio Universities College of Medicine, Rootstown, L.J. Roe, S.T. Hussain; in „Nature“, 20.9.2001, Vol. 413, pp 259-260, 277-281; ergänzend dazu „Science“, Vol. 293, p 2239

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Forschungsseite Thewissen

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