Erste Primaten schon vor 82 Millionen Jahren?

Die ersten Primaten könnte es schon vor 81,5 Millionen Jahren gegeben haben. Unsere Vorfahren wären damit rund zwanzig Millionen Jahre älter als bisher vermutet. Die neue Datierung geht auf Berechnungen eines internationalen Teams aus Biologen und Statistikern zurück. Die Wissenschaftler schreiben im Magazin „Nature“, es hätten sich vermutlich nicht mehr als sieben Prozent aller ehemals auf der Erde lebenden Primaten in Fossilien erhalten.

Nach der neuen These geben die bisherigen fossilen Funde ein verzerrtes Bild. 47 Prozent aller Primaten-Fossilen wurden nämlich in Nordamerika und Europa entdeckt. Die ältesten sind etwa 54 bis 55 Millionen Jahre alt. Aus den Fakten entwickelte sich die Theorie, frühe Primaten seien im Paläozän zuerst auf den nördlichen Kontinenten aufgetreten und dann nach Süden emigriert.

Zeichnung des vermutlich ersten Primaten Zeichnung: The Field Museum, Chicago

Ganz anders das Modell der Forscher: Sie versetzen den sehr viel älteren Primaten-Urahn in die tropischen Wälder des Südens. Die These der Forscher bleibt allerdings bis auf weiteres Spekulation. Sie beruht im wesentlichen auf mathematischen Modellen, die die Zahl lebender Spezies und ihrer durchschnittlichen Lebensspannen mit denen ausgestorbenen Arten vergleichen. Diese Zahlen setzten Statistiker dann mit den ältesten Primaten-Fossilien in Verbindung. Dem Zahlenspiel zufolge müssten alle Primaten und der Mensch auf einen Urahn zurückgehen, der vor 81.5 Millionen Jahren gelebt haben könnte.

Rein rechnerisch müssten sich außerdem aus diesem Ursprung bis zu 9.000 Arten abgespalten haben – ein Vielfaches dessen, was je an fossilen Funden nachgewiesen werden konnte. Zu dieser Vermutung gelangte jedenfalls der am Projekt beteiligte Robert D. Martin vom Field Museum, Chicago. In einer Pressemeldung des Museums wird gleich das Bild des vermuteten Urahns mitgeliefert: ein Äffchen von etwa ein bis zwei Pfund Gewicht, das überwiegend nachts durch die Baumwipfel huschte. Im „Nature“-Beitrag selbst schreiben die Forscher nichts von einem solchen Tier.

Forschung: Simon Tavaré, Departments of Biological Sciences, Mathematics, and Preventive Medicine, University of Southern California, Los Angeles: Charles R. Marshall, Harvard University; Oliver Will, Department of Statistics, University of Washington, Seattle; Christophe Soligo Universität Zürich-Irchel; Robert D. Martin, Field Museum, Chicago; in „Nature“, Vol. 416, No. 6882, 18.4.2002, pp 726-729

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