Wie der Wal schwimmen lernte

Dass Wale von Landtieren abstammen, ist seit langem bekannt. Vermutlich handelt es sich bei den Vorläufern der Wale um Huftiere, die im Tertiär vor rund 40 bis 50 Millionen Jahren das Landleben aufgaben. Einmal auf den Geschmack gekommen, entwickelten sich die Säuger sehr schnell zu guten Schwimmern, sagen britische Forscher. Sie glauben, an Wal-Fossilien eine rasante Evolution nachweisen zu können.

Innenohr bei zwei Säugern zum Vergleich Das Innenohr beim Delphin (links) und beim Buschbaby (rechts), einem afrikanischen Primaten. Die Bogengänge sind gelb markiert.
Bild: Fred Spoor / National Science Foundation (USA)

Die These stützt sich im wesentlich auf die Veränderung von Bogengängen im Innenohr. Diese spielen sowohl für das Hören als auch für den Gleichgewichtssinn bei Mensch und Säugetier eine wichtige Rolle. Bei Walen sind die Bogengänge in kurzer Zeit schnell geschrumpft. Im Vergleich zu den übrigen Körperproportionen müssten die Gänge im Innenohr eigentlich dreimal so groß sein, um dem gleichen Organ bei anderen Säuger zu entsprechen. Das berichtet Fred Spoor vom University College London zusammen mit indischen und amerikanischen Kollegen im Magazin „Nature“.

Die Forscher verglichen die Bogengänge von 24 Walarten mit 106 anderen Säugetieren. Demnach ist das Organ beim Blauwal kleiner als beim Menschen, beim Delphin kleiner als bei der Ratte. An Fossilien sei erkennbar, dass schon bei frühen Walen das Innenohr stark zurückgegangen sei, sagt Spoor. Dieser Wandel habe sich in nur fünf Millionen Jahren vollzogen – aus Sicht der Evolution ein relativ kurzer Zeitraum.

Die Forscher glauben, der Gleichgewichtssinn sei dadurch schnell unempfindlich geworden. Erst diese Desensibilisierung habe es dem Meeressäuger ermöglicht, ohne Schwindelgefühl auf kurvenreichen Bahnen durch die Ozeane zu ziehen.

Forschung: Fred Spoor, Department of Anatomy & Developmental Biology, University College London; S. Bajpai, Department of Earth Sciences, Indian Institute of Technology, Roorkee; S. T. Hussain, Department of Anatomy, College of Medicine, Howard University, Washington DC; K. Kumar, Wadia Institute of Himalayan Geology, Dehradun; J. G. M. Thewissen, Department of Anatomy, Northeastern Ohio Universities College of Medicine, Rootstown, Ohio, in „Nature“, 9.5.2002, Vol. 417, No. 6885, pp 163-166

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