Kiefer eines Mammut-Fötus gefunden

In Westsibirien haben russische Paläontologen erstmals Knochen eines Mammut-Fötus gefunden. Wie die Wissenschaftsagentur „Informnauka“ meldet, handelt es sich um den Unterkiefer eines fast vollständig entwickelten Fötus, der bereits vollständig entwickelte Zähne getragen hatte. Vielleicht mussten die neugeborenen Mammuts schon früh mit der Aufnahme fester Nahrung beginnen, spekulieren die Forscher.

Evgeny Mashchenko vom Paläontologischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften, Moskau, und seine Kollegen von der Universität Tomsk entdeckten die fossilen Überreste am Ufer des Ob, nahe der Ortschaft Krasny Yar. Die steilen Flussufer bestehen dort aus angeschwemmtem Material und enthalten zahlreiche Knochen urzeitlicher Säuger, die der Fluss nach und nach freilegt.

Erste Untersuchungen lassen vermuten, dass das Tier und seine Mutter vor über 200.000 Jahre zwischen zwei Kälteperioden gelebt hatten. Laut der Agentur ist der Kiefer damit um ein Vielfaches älter als die bislang bekannten, maximal 27.000 Jahre alten Mammutknochen. Das Besondere an dem Fund: Die als Alveolen bezeichneten Zahnfächer lassen darauf schließen, dass der Unterkiefer schon vor der Geburt des Tieres Zähne mit gut entwickelten Wurzeln und Kronen enthalten hatte – ganz im Gegensatz zu modernen Elefanten, die bei der Geburt noch unterentwickelte Zähne besitzen.

Nach Ansicht der Forscher könnte dies eine Anpassung an die klimatischen Bedingungen jener Zeit sein. In dem kalten und rauen Klima hätten die Mammutkühe vielleicht nicht immer genügend Milch für ihren Nachwuchs gehabt. Daher mussten die Kleinen eventuell schon früh mit dem Kauen von Gras und anderer fester Nahrung anfangen.

Forschung: Evgeny N. Mashchenko, Paläontologisches Institut, Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau, und andere; via Informnauka, 17.6.2002

Weiter im Web:
Mammoth Site Museum
Sur les traces du mammouth

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