Tertiär: Pflanzenvielfalt nach der Katastrophe

Als vor 65 Millionen Jahren ein Asteroid auf der Erde einschlug und eine Naturkatastrophe auslöste, fielen nicht nur die Dinosaurier und zahlreiche Tierarten dem Ereignis zum Opfer. Auch die Pflanzenwelt brauchte schätzungsweise zehn Millionen Jahre, um sich von den Folgen zu erholen. Jetzt berichten allerdings amerikanische Paläontologen in „Science“ von zahlreichen fossilen Blättern, die nur eine Million Jahre nach der Katastrophe wuchsen und von einer reichhaltigen Pflanzenwelt erzählen. Offenbar gab es „Inseln“, die dem großen Sterben am Ende der Kreidezeit entgangen sind.

Castlerock Bild: Kirk Johnson

Bisher waren aus der Zeit unmittelbar nach dem Asteroiden-Einschlag nur vergleichsweise wenig Pflanzenarten bekannt. Die Katastrophe vor 65 Millionen Jahren wird deshalb auch als so genannte K/T-Grenze bezeichnet, die für einen harten Einschnitt in der Artenvielfalt steht und den Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär markiert.

Kirk Johnson und Beth Ellis vom „Denver Museum of Nature & Science“ analysierten jetzt 104 verschiedene Pflanzenspuren, die seit 1994 bei Castle Rock, 40 Kilometer südlich von Denver, gefunden worden waren. In der Castle Rock-Formation sind bis zu ein Meter lange Farne, Baumstämme und Wurzeln als fossile Abdrücke erhalten geblieben. Johnson und Ellis identifizierten 90 verschiedene Blattarten, 6 Früchte, drei Farne, drei Zikaden und drei Koniferen.

Dank moderner Technik können die Pflanzen recht genau auf ein Alter von 64,1 Millionen Jahren datiert werden. Die durchschnittliche Blattgröße beträgt 67 Quadratzentimeter. Auffällig seien die glatten Blattränder, die man ähnlich noch heute in südamerikanischen Regenwäldern finde, schreiben die Forscher. Eine vergleichbare Vielfalt ist über einen Zeitraum von zehn Millionen Jahre nach der K/T-Grenze nirgendwo auf dem nordamerikanischen Kontinent nachweisbar.

Bisher kann nur spekuliert werden, dass es mindestens eine geographisch günstig gelegene Region gegeben haben muss, in deren Nische die Pflanzen überlebten und aus der heraus sie sich möglicherweise wieder ausbreiteten.

Forschung: Kirk R. Johnson, Beth Ellis, Department of Earth Siences, Denver Museum of Nature & Science, in „Science“ Vol. 296, pp 2379-2383, 28.6.2002

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