Früher Landgänger identifiziert

Manchmal fördert ein Blick ins Archiv mehr zu Tage als das Wühlen im Erdreich. Im Hunterian Museum in Glasgow hat eine britische Forscherin ein Fossil entdeckt, das irrtümlich als Fisch eingeordnet war. Mit 31 Jahren Verspätung wurde es jetzt als Vierbeiner identifiziert, der zumindest zeitweise an Land leben konnte.

fossiler früher Landgänger Fotos: Nature

Das Fossil Pederpes finneyae ist 344 bis 348 Millionen Jahre alt, lebte also zur Zeit des Übergangs vom Devon zum Karbon. Die Überreste des zu Lebzeiten wohl fast Meter langen Tieres wurden 1971 nördlich des schottischen Dumbarton gefunden. Jennifer Clack vom Zoologischen Museum der Universität Cambridge entdeckte jetzt bei einer Neubewertung des Fundes, dass Pederpes vier nach vorn ausgerichtete Füße besaß. Von den fünf Zehen sind die drei mittleren vollständig erhalten. Die Füße unterscheiden sich nach Clacks Meinung deutlich von Vorläufern, die ihre Gliedmaßen nur zum Schwimmen oder Paddeln einsetzen konnten.

Der Landgänger besitzt noch das Seitenlinienorgan der Fische, war also auch für das Leben im Wasser noch gut ausgerüstet. Sein kurzer gedrungener Schädel ist nicht mehr vollständig erhalten. Den Zähnen zufolge war er vermutlich ein Fleischfresser.

Robert Carroll von der kanadischen McGill University schreibt in einem ergänzenden Kommentar in „Nature“, der Fund könne die Entwicklung der ersten landlebenden Wirbeltiere erhellen. Bisher klaffte eine rund 30 Millionen Jahre weite Lücke zwischen frühen Vierbeinern (Tetrapoden), die vor 365 Millionen Jahre noch auf das Wasser angewiesen waren und jenen Reptilien, die bereits eindeutige Landgänger waren.

Das komplette Fossil des frühen Landgängers

Forschung: Jennifer A. Clack, University Museum of Zoology, Cambridge, in „Nature“, Vol. 418, No. 6893, 4. Juli 2002, pp 72-76

Weiter im Web:
Hunterian Museum, Glasgow

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