Kopffüßer: Parasiten erzwangen Gigantismus

Drei Geologiestudenten der Universität Arkansas haben einen ungewöhnlich großen zehnarmigen Kopffüßer entdeckt. Der Kopfschild des 325 Millionen Jahre alten Tieres bringt es auf 2,40 Meter Länge. Normalerweise wurden diese ausgestorbenen Nautiliden der Art „Rayonnoceras solidiforme“ höchsten halb so groß. Parasitäre Saugwürmer könnten für den riesigen Wuchs verantwortlich sein.

urzeitlicher Kopffüßer Foto: University of Arkansas, Fayettville

„Dies ist ein ‚pathologischer Gigant‘ „, kommentiert Walter Manger, Geologe und Lehrer der drei Jungforscher. Er vermutet, dass parasitäre Trematoden das Weichtier unfruchtbar gemacht haben. Die Kopffüßer paarten sich in der Regel im Alter von drei bis vier Jahren, legten ihre Eier ab und starben. Das jetzt ausgegrabene Exemplar könnte durch seine Sterilität unfähig zur Reproduktion gewesen sein und seine Energie für Jahrzehnte allein in das Wachstum gesteckt haben, glaubt Manger.

Für diese These spricht, dass dem ansonsten sehr gut erhaltenen hornförmigen Gehäuses nur die Spitze fehlt. Sie könnte schon zu Lebzeiten abgebrochen sein, als sich die Würmer durch den Kalkpanzer bohrten. Die drei Studierenden Sarah Kee, Kevin Morgan und Jonathan Gillip werden in ihrem weiteren Studium diese These überprüfen.

Ihre Arbeit wird durch den Umstand erleichtert, dass ein vergleichbares Exemplar des „Rayonnoceras solidiforme“ schon im Museum der Universität liegt. Das „nur“ 2,10 Meter lange Exemplar wurde 1963 ebenfalls ohne Spitze an fast der gleichen Stelle gefunden. Da der neue Fund an der Kopfendung um etwa ein Drittel breiter ist, vermuten die Studierenden, ein Weibchen gefunden zu haben.

Die Kopffüßer lebten vom Devon bis zum Ende der Kreidezeit in allen Weltmeeren und gelten deshalb als wichtige Leitfossilien. Ihr Kalkgehäuse bestand aus einer Wohnkammer, in die sich der weiche Körper zurückziehen konnte, sowie weiteren Kammern, in die die Tiere Gase zum Auf- und Abtauchen pumpen konnten. Sie besaßen leistungsfähige Sinnesorgane, Fangarme und einen kräftigen Kiefer, der kleine Krebse und andere Beutetiere knacken konnte.

Forschung: Sarah Kee, Kevin Morgan, Jonathan Gillip, University of Arkansas, Fayettville

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