Die Krabbe und der Dino

Paläontologen freuen sich über die kleinsten Fossilien kaum weniger als über die größten. Doppelte Freude herrschte deshalb unter amerikanischen Forschern, als sie in Ägypten zwei Extreme zusammen entdeckten: Joshua Smith von der Washington University stieß mit seinem Team auf die Überreste eines Titanosauriden, neben dem sich ein wenige Zentimeter kleines Krabben-Fossil erhalten hat.

Fossile Krabbe Foto: Washington University in St.Louis

Der Fund gelang den Forschern in der rund 300 Kilometer südwestlich von Kairo gelegenen Oase Bahariya. Dort war im Jahr 2001 bereits der Titanosauride „Paralititan stromeri“ gefunden worden (Details hier). Das Tier war rund 30 Meter lang und ist damit der zweitgrößte bisher gefundene Pflanzenfresser. Der jetzt veröffentlichte Fund des zweiten Fossils ist auf den ersten Blick wenig spektakulär: Von dem Titanosaurier entdeckten die Forscher ebenfalls schon im Jahr 2001 nur Teile des Schwanzes. Kaum 50 Zentimeter vom Schwanzknochen des Sauriers entfernt fanden sich aber eine Krabbe sowie fossile Pflanzen. Alle Teile stammen aus der gleichen, etwa 94 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht.

„Selbst wenn beide Tiere einige tausend Jahre weit auseinadner gelebt haben sollten, so haben wir doch einen Beleg, dass die Arten nebeneinander existierten“, freut sich Smith, „das verrät einiges über das damalige Ökosystem.“

Die Bestimmung der Krabbe überließ Smith seiner Kollegin Carrie Schweitzer vom Kent State University Department of Geology. Laut Schweitzer handelt es sich um ein Exemplar der Necrocarcinidae aus der Krebs-Unterordnung Brachyura. Die Krabbe ernährte sich von abgestorbenen Pflanzen und wurde ihrerseits von Fischen und anderen Wassertieren verspeist. Möglicherweise fraßen auch Jungsaurier gern Krabben, spekuliert Smith, räumt aber gleichzeitig ein, für diese Annahme noch keine Beweise zu haben.

Der Fund stützt immerhin die Vermutung der Forscher, die heutige Oase Bahariya habe vor 94 Millionen Jahren an einem flachen Meeresstrand mit üppiger Pflanzenwelt gelegen. Weitere Funde wie Krokodile, Fische und Schildkröten lassen auf Mangrovenwälder schließen, wie sie heute etwa in Florida anzutreffen sind. Saurier und Krabbe werden in einer der nächsten Ausgaben des „Journal of Paleontology“ vorgestellt.

Forschung: Joshua Smith, Washington University; Carrie E. Schweitzer, Kent State University Department of Geology

Weiter im Web:
Bahariya Dinosaur Project
Journal of Paleontology

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