Ginkgo: Kaum Änderungen seit 120 Millionen Jahren

Manche Lebensformen haben sich ihrer Umwelt so optimal angepasst, dass sie sich über viele Millionen Jahre kaum weiterentwickeln müssen. Der Ginkgobaum gehört offenbar auch dazu. Das belegen fossile Ginkgo-Blätter, die in der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas gefunden wurden. Die Fossilien kommen heutigen Exemplaren sehr nahe, sind aber bereits 121 Millionen Jahre alt.

Der Fund hilft, eine riesige Lücke im Ginkgo-Stammbaum zu schließen, denn bisher konnten nur wenige entsprechende Versteinerungen geborgen werden: Die zwei ältesten beiden Ginkgo-Funde sind 56 und 170 Millionen Jahre alt. Dazwischen klaffte gewissermaßen ein 114 Millionen Jahre breites Loch.

Die jetzt im Magazin „Nature“ vorgestellten Blätter und Samen entdeckten die Paläontologen Zhiyan Zhou und Shaolin Zheng in der für ihre zahlreichen Fossilien berühmten Yixian-Formation. Wie die Forscher berichten, hat sich der Ginkgo seit der Unteren Kreidezeit nur wenig verändert. Die ursprünglich gefiederten Blätter, die an Kastanien erinnern, waren schon leicht in Richtung der heutigen fächerartigen Blattform zusammengewachsen. Die Samenkörner, die beim ältesten Ginkgo noch jeweils in Gruppen an eigenen Stielen ausgebildet wurden, sitzen beim neuen Fund schon zu sechs an einem gemeinsamen Stiel. Heutige Ginkgos bilden nur noch einzelne Samenkörner aus.

Insgesamt stehe der neue noch namenlose Fund dem 56 Millionen Jahre alten Ginkgo adiantoides deutlich näher als der bisher ältesten Art Ginkgo yimaensis, schreiben die Forscher. Wegen der minimalen Veränderungen werde der heutige Ginkgo biloba zurecht ein „lebendes Fossil“ genannt.

Forschung: Zhiyan Zhou, Nanjing Institute of Geology and Palaeontology, Chinese Academy of Sciences, Nanjing; Shaolin Zheng, Shenyang Institute of Geology and Mineral Resources, Ministry of National Land and Resources, Shenyang; in „Nature“, Vol. 423, No. 6942, pp 821-822

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Über den Ginkgo, biologisch und paläontologisch

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