Zwischenbericht zum Fischsaurierfriedhof von Eislingen

Seit genau einem Jahr werden an der Trasse der B 10 bei Eislingen nahe Stuttgart fossile Fischsaurier ausgegraben. Geologen der Universität Tübingen haben jetzt ihren Zwischenbericht vorgelegt. Demnach wurden bereits neun Ichthyosaurier geborgen. Weitere Funde deuten aber darauf hin, dass sich die Zahl auf 17 Tiere erhöhen könnte.

Flosse eines Ichthyosauriers Flosse eines Ichthyosauriers

Die bereits identifizierten Fischsaurier lassen sich den Gattungen Temnodontosaurus („Schnittzahnsaurier“) und Stenopterygius („Schmalflosser“) zuordnen. Beide Arten zeichnen sich durch lange, schlanke Gliedmaßen aus. Temnodontosaurus wurde bis zu neun, Stenopterygius bis zu drei Meter lang.

Möglicherweise wurde auch eine noch unbekannte Gattung entdeckt, berichten die Forscher. Aufgrund der noch andauernden Präparation sei eine sichere Bestimmung derzeit nicht möglich. Die bisher vorliegenden Skelett-Teile deuten auf eine neue, noch unbekannte Art eines Fischsauriers hin.

Auf der Grabung in Eislingen Auf der Grabung
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Die Gesteinsschicht, aus der all diese Funde stammen, hat sich am Grund des Jurameeres vor etwa 180 Millionen Jahren gebildet. Damals lagerten sich die Innenskelette tausender Belemniten ab. Aus dem so genannten „Belemnitenschlachtfeld“ schließen die Forscher, dass sich fossile Ichthyosaurier viel weiträumiger verteilen als bisher angenommen. Der Eislinger Fischsaurierfriedhof könnte eine Fläche von mindestens 10.000 Quadratmetern umfassen.

Die Eislinger Fischsaurier sind jünger als ihre berühmten Artgenossen aus dem Posidonienschiefer von Holzmaden. Im Gegensatz zu diesen zumeist stark verformten Exemplaren liegen die Eislinger Individuen in sehr guter, dreidimensionaler Erhaltung vor.

Der Saurierfriedhof gewährt zudem einen ungeahnt tiefen Einblick in das Ökosystem des Jurameeres vor 180 Millionen Jahren: Die Nahrungskette lässt sich angefangen von einzelligen Mikroorganismen – so genannten Dinoflagellaten – über Muscheln, Ammoniten und Belemniten, bis hin zu Fischen und letztlich den großen Räubern wie Haien, Krokodilen und Ichthyosauriern rekonstruieren.

Die Forscher fanden auch bis zu sieben Meter lange Baumstämme, die wohl von den nächstliegenden Landmassen ins Meer eingeschwemmt wurden.

Quelle: Eberhard-Karls-Universität Tübingen, 22.7.2003
Forschung: Philipe Havlik, Michael Montenari, Henrik Stöhr, Michael Maisch, Universität Tübingen; Reinhard Rademacher, Winfried Poldrack, Kreisarchäologie Göppingen; u.a.
Fotos: Institut für Geowissenschaften / Universität Tübingen

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