Trilobiten: Wulst schützte Augen vor Licht

Wenn die Sonne zu sehr blendet, hilft ein breitkrempiger Hut. Zu einer ganz ähnlichen Lösung griffen urtümliche Gliederfüßer vor rund 380 Millionen Jahren, glauben zwei englische und kanadische Paläontologen. Die „Augentürme“ des von ihnen entdeckten Trilobiten „Erbenochile erbeni“ weisen eine Art Krempe auf, die die zahlreichen Einzelaugen gegen senkrecht einfallendes Licht abschattet.

Augenturm des Trilobiten „Augenturm“ des Trilobiten
Bild: Richard Fortey, Natural History Museum, London

„Interessanterweise zeigt diese Anpassung ebenfalls, dass die Tiere am Tage und nicht in der Nacht aktiv waren“, so Richard Fortey vom Natural History Museum, London, und Brian Chatterton von der University of Alberta, Edmonton. „Ein Augenschatten ist in der Dunkelheit kaum von Nutzen.“

Trilobiten durchstreiften fast 300 Millionen Jahre lang die Weltmeere, bis sie vor etwa 250 Millionen Jahren verschwanden. Im Magazin „Science“ beschreiben Fortey und Chatterton nun das erste vollständige Fossil der E. erbeni, das mit seiner wundersamen Körperform jedes Filmmonster in den Schatten stellt: Nicht nur sind die Platten seines Rückenpanzers mit langen Stacheln bewehrt. Die rund 560 Einzelaugen des Tieres sind zudem in halbrunden „Türmen“ angeordnet, so dass der wenige Zentimeter große Gliederfüßer einen Rundumblick über den Meeresgrund hatte.

Als wären diese Augentürme nicht schon ungewöhnlich genug, weisen sie zusätzlich einen deutlichen Wulst auf, ähnlich einer Hutkrempe. Laut Fortey und Chatterton seien die gewölbten Linsen der Einzelaugen anfällig für Streulicht gewesen. „Die Flanken der Augen verlaufen jedoch so geradlinig, dass diese Krempe die Augenfläche wirksam vor dem Gleißen der Wasseroberfläche schützt.“

Trilobit in Seitenansicht Trilobit von der Seite
Bild: Richard Fortey, Natural History Museum, London

Forschung: Richard Fortey, Department of Palaeontology, Natural History Museum, London, und Brian Chatterton, Department of Earth and Atmospheric Sciences, University of Alberta, Edmonton; in „Science“, Vol. 301, 19. September 2003, p 1689

Weiter im Web:
A Guide to the Orders of Trilobites

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