Neuer Vertreter der Sphenodontida in Argentinien gefunden

Argentinische Forscher haben in der Provinz Rio Negro im nordwestlichen Patagonien den fossilen Schädel eines bisher unbekannten Reptils entdeckt. Das 90 Millionen Jahre alte, an eine Eidechse erinnernde Tier gehört zur Ordnung der Sphenodontida. Der Fund könnte aufklären helfen, welche Verbindungen zwischen den heute lebenden Schlangen und Echsen und den vor Millionen Jahren ausgestorbenen Sphenodontida bestehen.

Die Sphenodontida stellen einen Seitenzweig in der Evolution der Schlangen und Echsen dar. Sie bildeten sich vor rund 200 Millionen Jahren heraus und brachten zahlreiche verschiedene Arten hervor. Doch während aus der Hauptentwicklungslinie über 6.000 Schlangen und Echsen hervorgingen, starb der Seitenzweig aus. Als einziger Repräsentant dieser Ordnung hat die Brückenechse (Tuatara) auf Neuseeland überlebt. Alle übrigen Sphenodontida schienen vor 120 Millionen Jahren verschwunden zu sein. Warum sich keine Nachfahren halten konnten, ist noch unbekannt.

Der neue Fund in Argentinien beweist jetzt, dass die Ordnung zumindest 30 Millionen Jahre länger als bisher vermutet existiert haben muss. Sebastián Apesteguía und Fernando Novas entdeckten den Kopf des Tieres in Sandgestein im Flussbett La Buitrera. Der Ort ist bereits für zahlreiche fossile Funde bekannt.

Den Berechnungen der Forscher zufolge wurde ein ausgewachsenes Exemplar der Art „Priosphenodon avelasi“ bis zu einen Meter lang. Die Tiere sind damit die bisher größten bekannten Vertreter der Sphenodontida, schreiben die Wissenschaftler im Magazin „Nature“.

Forschung: Fernando E. Novas, Sebastián Apesteguía, Argentine Museum of Natural History, Buenos Aires, in „Nature“, Vol. 425, Issue 6958, 9.10.2003, pp609-612

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