Schon Dinosaurier erkrankten an Krebs

Krebs war schon unter Hadrosauriern weit verbreitet. Die Tumoren, unter denen die Tiere litten, ähnelten stark jenen heutiger Krebspatienten. Das hat jetzt ein Team amerikanischer und kanadischer Forscher nachgewiesen. Die Wissenschaftler unter der Leitung des Radiologen Bruce Rothschild bereisten ganz Nordamerika, um rund 10.000 Dinosaurierwirbel zu röntgen, die von über 700 verschiedenen Exemplaren stammen – neben Hadrosauriern wurden auch Stegosaurier, Triceratops und Tyrannosauriden untersucht.

In der Fachwelt wurde wiederholt diskutiert, ob Dinosaurier Krebs bekommen könnten. Das Projekt von Rothschild und seinen Kollegen ist allerdings die erste groß angelegte Suche nach entsprechenden Beweisen. Zahlreiche vermeintliche Krebstumore stellten sich dabei als lediglich schlecht verheilte Frakturen heraus, schreiben die Forscher im Magazin „Naturwissenschaften“.

In den meisten Knochen ließen sich keine Tumoren nachweisen. Bei einer Familie, den Hadrosauriern, wurden die Forscher allerdings fündig. Bei insgesamt 97 untersuchten Exemplaren diagnostizierten die Forscher 29 mal Krebs. Meist handelte es sich um Hämangiome, auch unter dem Namen Blutschwämme bekannt. Diese meist gutartigen Tumore treten auch an menschlichen Blutgefäßen auf. Im Allgemeinen verursachen sie keine Beschwerden und bilden sich nach einiger Zeit von selbst zurück. Wachsen sie aber innerhalb kurzer Zeit sehr schnell, müssen sie operativ entfernt werden.

Warum gerade bei Hadrosauriern die Hämangiome und einige andere Tumorarten auftraten, können die Forscher noch nicht mit Sicherheit sagen. Vermutlich sind die Ursachen in der Vorliebe der Pflanzenfresser für Koniferen zu suchen. Viele Nadelbäume enthalten krebserregende Substanzen. Der lebenslange Verzehr entsprechender Zweige könnte das Krebsrisiko der Saurier beträchtlich gesteigert haben, schätzt Rothschild.

Die Hadrosaurier stammen vermutlich aus Zentralasien, waren in der Kreidezeit aber über die ganze Nordhalbkugel verbreitet. Ihren breiten, abgeflachten Schnauzen, die in Schnäbel mündeten, verdanken die Tiere den Beinamen Entenschnabel-Dinosaurier. Die meisten Hadrosaurier gingen vermutlich auf allen Vieren, konnten sich aber wohl bei Gefahr aufrichten und dann nur auf den wesentlich längeren Hinterbeinen in schnellem Tempo die Flucht ergreifen.

Forschung: Bruce M. Rothschild, Northeastern Ohio Universities College of Medicine, Rootstown; D. H. Tanke, Royal Tyrrell Museum of Palaeontology, Drumheller, Alberta ; M. Helbling II., Arthritis Center of Northeast Ohio, 5500 Market Street, Youngstown ; L. D. Martin, University of Kansas Museum of Natural History, Lawrence; in „Naturwissenschaften“, Online-Veröffentlichung 14.10.2003, doi:10.1007/s00114-003-0473-9 (2003)

Weiter im Web:
Abstract in „Naturwissenschaften“