Tiefes Wasser ließ Sauropoden kentern

Die schweren, langhalsigen Sauropoden fraßen nicht nur das Laub von den Bäumen, sie suchten auch Unterwasser nach pflanzlicher Kost. Allzu tief dürften sich die Dinosaurier aber kaum in Flüsse und Seen getraut haben, sagen jetzt amerikanische Forscher. Sie ermittelten in Simulationen, dass die Sauropoden bei Schwimmversuchen schnell zur Seite gekippt wären.

Die Gruppe der Sauropoden existierte rund 150 Millionen Jahre lang, bis am Ende der Kreidezeit alle Saurier ausstarben. Allen Sauropoden gemeinsam war der kleine Kopf, ein langer Hals sowie ein schwerer Körper auf säulenartigen Beinen. Diese Beine hinterließen oftmals in Sümpfen und Gewässern tiefe Abdrücke, die noch heute von den größten lebenden Sauriern zeugen.

Oftmals wurden aber nur Abdrücke der Vorderbeine gefunden. Warum das so ist, hat unter den Paläontologen zu langen Diskussionen geführt. Jeff Wilson von der University of Michigan in Ann Arbor hat jetzt eine einleuchtende Erklärung für das Fehlen der hinteren Fußabdrücke gefunden. Der Forscher experimentierte mit Plastikdinos und ermittelte am Beispiel eines Brachiosauriers, der zur Gruppe der Sauropoden gehört, dass im Wasser auf den vorderen Gliedmaßen zwanzig Mal so viel Gewicht lastet wie auf den Hinterbeinen. Entsprechend tief sinken die vorderen Füße in den Schlamm, während die hinteren noch keine Abdrücke hinterlassen, erläuterte Wilson jetzt auf dem Jahreskongress der „Society for Vertebrate Paleontology“.

Wie das Magazin „Science“ online berichtet, vertrat auch Don Henderson von der University of Calgary auf dem Kongress diese These. Henderson fand in Computersimulationen heraus, dass die Sauropoden mit den Hinterbeinen sogar den Kontakt zum Grund verlieren mussten, wenn ihnen das Wasser erst einmal bis zu den Schulterblättern stand.

Obwohl die Tiere theoretisch schwimmen konnten, dürfte das Paddeln der riesigen Pflanzenfresser eine Ausnahme geblieben sein, meint Henderson. Durch den langen Hals sei ihnen das Balancieren sehr schwer gefallen; schon kleinere Wellen hätten einen Sauropoden umwerfen können, ergab die Computersimulation.

Quelle: Science Now, 20.10.2003
Forschung: Jeff Wilson, University of Michigan (UM), Ann Arbor / Don Henderson, University of Calgary

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