Kältewelle nach Meteoritenfeuer

Dem Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren folgte auf der Erde eine tausende Jahre dauernde Kälteperiode. Für diese These kann ein internationales Team von Geologen jetzt fossile Beweise vorlegen. Die Forscher berufen sich auf Spuren von einzelligen Meereslebewesen, die in El Kef in Tunesien gefunden wurden.

Eine unter Paläontologen populäre These besagt, dass ein Meteoriteneinschlag auf der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatan vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier ausrottete. Tiere, die die weltweiten Brände überlebten, sahen sich demnach mit einem deutlichen Klimawandel konfrontiert. Der Meteoriteneinschlag soll große Mengen Staub in die Atmosphäre geblasen und den Himmel verdunkelt haben. Dadurch fielen die Temperaturen auf der Erde drastisch.

Forscher um Simone Galeotti von der italienischen Universität Urbino sind sich sicher, eindeutige Beweise für diese These gefunden zu haben: Sie verweisen auf fossile Spuren so genannter Dinoflagellaten und Foraminiferen – einzelliger Meeresorganismen, die sich mit kalk- und hornartigen Gehäusen schützen. Die widerstandsfähigen Hüllen der Tiere können über Jahrmillionen feinkörnige Ablagerungen bilden. Aus ihnen kann heute auf urzeitliche Wassertemperaturen geschlossen werden.

Die tunesischen Ablagerungen, die rund 65 Millionen Jahre alt sind, bestehen nach Aussage der Forscher aus jenen Dinoflagellaten, die deutlich kälteres Wasser bevorzugten, als es bis zum Ende der Kreidezeit gegeben habe. Wenn die speziellen Einzeller zum Beginn des Tertiär eine Blütezeit erlebten, so deute das auf ein kühleres Klima hin, schreiben die Forscher im Fachblatt „Geology“.

„Unsere Klimamodelle lassen vermuten, dass die Erde acht eisige Winterjahre gebraucht hätte, um zum Schneeball zu gefrieren. Weil die Ozeane vor 65 Millionen Jahren beim Übergang von Kreide zu Tertiär aber nicht komplett zufroren, dauerte der Winter vermutlich keine fünf Jahre lang“, schätzt der am Projekt beteiligte Geologe Matthew Huber von der amerikanischen Purdue University. Die Eisdecke hätte schon innerhalb von 30 Jahren wieder verschwinden können. In den Ozeane sei die Temperatur dagegen erst über einen Zeitraum von rund 2000 Jahre wieder auf das alte Niveau gestiegen.

Forschung: imone Galeotti, University of Urbino, Italien; Henk Brinkhuis, University of Utrecht, Niederlande; Matthew Huber von der Purdue University, USA; in „Geology“ Ausgabe Juni 2004

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