China: Langhalsiger Meeressaurier entdeckt

Einen fossilen Meeressaurier mit ungewöhnlich langem Hals haben chinesische Forscher entdeckt. Der Rumpf des über 230 Millionen Jahre alten Tieres war etwa einen Meter lang. Sein Hals brachte es dagegen auf 1,70 Meter. Den Fund stellen die Forscher im Magazin „Science“ vor.

Der 23,5 Zentimeter lange Schädel des Tieres wurde schon im Herbst 2002 in der Guanling Formation in der Provinz Guizhou gefunden. Im Oberkiefer steckten noch drei Fangzähne, die zwischen 1,5 und 2,8 Zentimeter lang sind. Das Team um Chun Li von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking entdeckte später einen weiteren nahezu vollständiger Saurier gleicher Art, der die Zuordnung des ersten Schädels ermöglichte.

Meeressaurier Illustration: Carin L. Cain/Science
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Mit seinem langen Hals jagte der Saurier aus der Trias Fische und Tintenfische, vermuten die Forscher. Sie ordnen den „Dinocephalosaurus orientalis“ getauften Fund den Protorosauriern (Ordnung Prolacertiformes) zu und vergleichen ihn mit dem sehr ähnlichen Tanystropheus, der seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland, der Schweiz und Israel gefunden wurde. Dieses Tier verfügte ebenfalls über einen Hals, der doppelt so lang ausfiel wie der restliche Körper. Allerdings bestand sein Hals aus nur 12 gedehnten Wirbeln, während der neue Fund über 25 Wirbel verfügt, die ihn zu flexibleren Bewegungen befähigt haben dürften.

Während man bei Tanystropheus über die genaue Lebensweise noch rätselt, soll Dinocephalosaurus eindeutig den Meeressauriern zuzuordnen sein. In der Regel reckte er wohl nur zum Atmen den Kopf aus dem Wasser und steuerte lediglich zur Ei-Ablage den Strand an. Mit dem Tanystropheus soll er nur entfernt verwandt sein. Die langen Hälse entwickelten die Arten vermutlich unabhängig voneinander.

Fossiler Fund des Meeressauriers Foto: Science
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Aus den Halsknochen lasse sich auf zwei mögliche Jagdtechniken des Sauriers schließen, meinen die amerikanischen Co-Autor Olivier Rieppel vom Field Museum und Michael LaBarbera von der Universität Chicago.

Zum einen hätte sich das Tier in trübem, flachem Küstenwasser langsam und unsichtbar seiner Beute nähern können, um dann Krokodilen gleich plötzlich und blitzschnell zuzuschlagen.

Zum anderen lassen zusätzliche seitliche Halsknochen vermuten, dass Dinocephalosaurus bei der Unterwasserjagd die Halsmuskeln nach außen spreizte, um mit aufgerissenem Maul die Druckwelle, die sein vorschießender Kopf erzeugte, regelrecht verschlucken zu können. Dadurch wären Beutefische bis zum Schluss völlig ahnungslos geblieben.

Forschung: Chun Li, Chinese Academy of Sciences, Beijing, China; Olivier Rieppel, Field Museum, Chicago; Michael C. LaBarbera, University of Chicago, Illinois; in „Science“, Vol. 305, p 1931, Ausgabe vom 24.9.2004

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