Dinosaurier trugen schusssichere Westen

Ähnlich Schildkröten und Krokodilen, verfügten manche Dinosaurier über einen harten Knochenpanzer. Bei einigen Vertretern waren diese Panzer jedoch deutlich komplizierter aufgebaut als bei ihrer heutigen Verwandtschaft, hat ein Bonner Paläontologe entdeckt. Ihre Struktur ähnelt frappierend modernen Verbundwerkstoffen, wie sie beispielsweise in schusssicheren Westen eingesetzt werden.

Ankylosaurier gehörten zu den am besten gepanzerten Tieren aller Zeiten: Selbst ihre Augenlider wiesen Knochenplatten auf und bei einigen Arten lief der Schwanz zu einer gewaltigen knöchernen Keule aus – „wahrscheinlich eine Waffe“, sagt Torsten Scheyer von der Universität Bonn. Ein komplettes Kettenhemd bestand aus Hunderttausenden knöcherner Panzerplatten mit Durchmessern von einigen Millimetern bis mehreren Dutzend Zentimetern. Scheyer untersuchte die Struktur dieser Osteodermen per Polarisationsmikroskopie.

Foto: Frank Luerweg / Uni Bonn

Dabei fand der Paläontologe, dass in den Knochenkalk der Platten regelrechte Matten des Bindegewebsproteins Kollagen eingewebt waren. Innerhalb jeder Matte verliefen die einzelnen Kollagenfasern parallel, waren gegenüber denen in benachbarten Matten jedoch um 45 Grad verdreht.

„Die Panzer erreichten so in jede Raumrichtung eine enorme Stabilität“, sagt Scheyer. Ganz ähnlich seien Verbundwerkstoffe aufgebaut, wie sie in schusssicheren Westen oder den Rotoren von Windkraftwerken zum Einsatz kommen – nur dass dort Glas- oder Kohlefasern an die Stelle des Kollagens treten.

Die Schusswesten-Struktur lässt sich bei einer der drei Ankylosaurier-Gruppen nachweisen. Bei der zweiten finden sich vergleichsweise schlichte Panzerplatten, bei der dritten schließlich solche aus „Havers’schem Knochen“. Diese Struktur ist für die sprichwörtlich „morschen Knochen“ von Senioren verantwortlich und kommt zustande, indem die feinen Knochenbälkchen durch Röhrchen ersetzt werden.

Im Falle der Ankylosaurier seien diese Osteone wieder mit Kollagenfasern verstärkt gewesen, erläutert Scheyer. Dies und die raffinierte Form der Knochenplatten habe ihnen enorme Stabilität beschert, sodass sie „Druck viel besser aufnehmen konnten und nicht so schnell zerbrachen.“

Forschung: Torsten Scheyer, Institut für Paläontologie, Universität Bonn

Weiter im Web:
Paläontologie, Uni Bonn
Ankylosaurus

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