Ältester Hase gefunden

Das älteste vollständige Skelett eines Hasenartigen präsentiert eine internationale Forschergruppe im Magazin „Science“. Der Hasenahn ist gut 20 Millionen Jahre älter als bisherige vergleichbare Funde und hilft, die Entwicklung der fortschrittlichsten Säugergruppe mit dem Untergang der Dinosaurier zu verknüpfen.

Ungeachtet der auffallenden Schneidezähne, gehören Hasen und ihre Verwandtschaft (Lagomorpha) nicht zu den Nagetieren (Rodentia). Wie nahe sich die beiden Gruppen tatsächlich stehen und wann sie sich entwickelten, ist jedoch unklar. Hier kann das neue Skelett mit seinem erstaunlichen Merkmalsmix helfen, erläutern die Forscher um Robert Asher vom Museum für Naturkunde der Berliner Humboldt-Universität.

Urhase Zeichnung: Nils Hoff, Museum für Naturkunde Berlin

Das Skelett von Gomphos elkema, so der wissenschaftliche Name der Art, war im Süden der Mongolei in 55 Millionen Jahre altem Gestein entdeckt worden. Die Hinterläufe des Tieres sind länger als die Vorderläufe, auch ist der sprichwörtliche Hasenfuß länger als die Hand, was eine hoppelnde Fortbewegung erlaubte. Eher nagerartig muten dagegen der mäßig lange Schwanz und die mit Spitzen bewehrten Backenzähne an, wie sie bei heutigen Eichhörnchen vorkommen.

Säugetiere werden in drei große Gruppen unterteilt: Beuteltiere wie den Koala, Kloakentiere wie das Schnabeltier und Plazentatiere, zu denen neben Hasen und Eichhörnchen auch der Mensch gehört. Aus dem Vergleich von Gomphos und weiteren fossilen und lebenden Arten schließen Asher und Kollegen, dass wohl keine engere Beziehung zwischen den Plazentatieren und den „Zalambdalestiden“ besteht – vor etwa 90 Millionen Jahren in Zentralasien aufgetauchten Säugern, die einen hasenartigen Unterkiefer und sehr lange Schneidezähne besaßen. Vielmehr bekräftigen ihre Resultate die Ansicht, dass sich die Linie der Plazentatiere erst nach dem Kreide-Tertiär-Ereignis vor 65 Millionen Jahren entfaltete, nach dem Ende der Dinosaurier.

Forschung: Robert J. Asher, Museum für Naturkunde, Humboldt-Universität Berlin; Michael J. Novacek, Division of Paleontology, American Museum of Natural History, New York; und andere; veröffentlicht in „Science“, Vol. 307, 18. Februar 2005, pp 1091-4

Weiter im Web:
Museum für Naturkunde, Berlin
Mammalia

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