Murmel-Regen nach Einschlag

Nach dem Einschlag eines Asteroiden vor 65 Millionen Jahren regneten sandkorngroße Gesteinskügelchen auf die Erde herab. Die Entstehung dieser Kügelchen erklären Computersimulationen zweier amerikanischer Geowissenschaftler nun im Detail. Nach Ansicht der Forscher stärken ihre Resultate – präsentiert im Fachblatt „Geology“ – auch die Verbindung zwischen dem Einschlag und dem folgenden Massensterben.

Derzeit würden unterschiedliche Theorien zur Bildung der als Sphärulen bezeichneten Gesteinsmurmeln diskutiert, so Denton Ebel vom American Museum of Natural History in New York und Lawrence Grossman von der University of Chicago. Einige Forscher nähmen an, die Luftreibung habe das Material noch vor dem eigentlichen Einschlag von dem Asteroiden gelöst. Andere gingen davon aus, Gestein sei bei dem Einschlag im Norden Mexikos verflüssigt und in Form winziger Tröpfchen empor geschleudert worden. Die neuen Resultate sprächen für einen anderen Mechanismus.

„Ein derart gigantischer Einschlag zerschmettert und schmilzt das Gestein nicht nur“, erläutert Grossman, „eine Menge Gestein wird auch verdampft.“ Anfänglich Zehntausende Grad Celsius heiß, dehne sich dieser Dampf in der Atmosphäre aus und kühle dabei ab. Als Folge kondensiere das verdampfte Gestein in Form kleiner Tröpfchen aus und gehe schließlich als Sphärulen-Regen nieder. Sichtbares Zeichen sei eine weltweit anzutreffende, an Sphärulen reiche Gesteinsschicht an der Grenze von Kreide und Paläogen, dem ältesten Abschnitt des Tertiär.

Die Computersimulationen der beiden Forscher zeigen, wie aus der Dampfwolke des Einschlags allmählich eine an Calcium und Silikaten reiche Flüssigkeit auskondensiert, entsprechend der chemischen Zusammensetzung von Einschlagkörper und Untergrund. Die genaue Zusammensetzung der Sphärulen sollte sich mit der Zeit allerdings ändern. Untersuchungen des in den Sphärulen enthaltenen Minerals Spinell belegten dieses Szenario, erläutert Ebel. „Die Spinelle von der Kreide-Paläogen-Grenze im Atlantik bildeten sich in einem früheren, heißeren Stadium als jene im Pazifik, die später und bei niedrigeren Temperaturen aus der um den Globus ziehenden Wolke auskondensierten.“

Forschung: Lawrence Grossman, Department of Geophysical Sciences, University of Chicago, und Denton Ebel, American Museum of Natural History, New York; in „Geology“, April 2005

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Cosmic Spherules
Chicxulub Impact Event
Spinel

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