Die weiche Seite des T rex

Ein besonders lebensnahes Bild zeichnen Dinosaurier-Funde, die eine amerikanische Forschergruppe im Magazin „Science“ vorstellt. In den Überresten eines Tyrannosaurus rex fanden sich weiche und elastische Strukturen, bei denen es sich um gut 68 Millionen Jahre alte Blutgefäße, Knochenzellen und Bindegewebsfasern handeln könnte – inklusive möglichen Zellkernen.

„Ob die Erhaltung strikt morphologisch ist […] und ob sie bis zur subzellularen oder molekularen Ebene reicht, ist noch unklar“, schreiben Mary Schweitzer von der North Carolina State University in Raleigh und vom Museum of the Rockies in Bozeman, Montana, und ihre Kollegen. Allerdings hätten sie bereits Proteinfragmente aus dem Material isolieren können, die eine zumindest schwache Antikörperreaktion hervorgerufen hätten.

Gewebe eines Tyrannosaurus Bilder: Mikroskopaufnahmen der vermutlichen T.rex-Blutgefäße (links) und entsprechendes Material aus Straußenknochen (rechts).
Quelle: Science

Schweitzer und Kollegen studierten die Überreste eines Tyrannosaurus rex, die im US-Bundesstaat Montana entdeckt worden waren. Offenbar im Bereich einer Flussmündung abgelagert und in weichen Sandstein eingebettet, stammen die Knochen von einem schätzungsweise 18 Jahre alten Tier. Nach der Behandlung eines Oberschenkelknochens mit einer schwachen Säure zeigten sich in den teilweise demineralisierten Proben zahlreiche parallel verlaufende, verzweigte Kanäle. Zudem blieb elastisches, an faseriges Bindegewebe erinnerndes Material zurück.

Durch vollständige Auflösung der mineralischen Bestandteile erhielten die Forscher zu ihrer Verblüffung transparente und elastische Röhren, die in Form, Größe und Verzweigungsmuster große Ähnlichkeit mit Blutgefäßen aufweisen. Die nähere Inspektion enthüllte im Innern der Röhren runde, dunkel gefärbte Strukturen, die in die umgebende Lösung gedrückt werden konnten – möglicherweise Überreste von Blutzellen. Auf der Oberfläche der Röhrenwandung fanden sich wiederum zahlreiche rundliche Ausbuchtungen. Vielleicht verbergen sich darunter Überreste der Kerne von Endothelzellen, vermuten Schweitzer und Kollegen.

Vergleichsuntersuchungen an Straußenknochen hätten praktisch identische Resultate erbracht, berichten die Forscher. Eine Verwechslung der elastischen Röhren mit Zellfäden von Pilzen oder Pflanzenzellen sei ausgeschlossen, zudem seien ähnliche Strukturen inzwischen auch bei der Analyse weiterer Tyrannosaurier- und Hadrosaurier-Überreste gefunden worden. Sollte sich die Interpretation als Weichgewebe bestätigen, eröffne dieses Material neue Einblicke nicht nur in die Physiologie der Dinosaurier, sondern auch in die Vorgänge bei der Fossilierung ihrer Überreste.

Forschung: Mary H. Schweitzer und John R. Horner, Department of Marine, Earth & Atmospheric Sciences, North Carolina State University, Raleigh, und Museum of the Rockies, Montana State University, Bozeman; und andere; in „Science“, Vol. 307, 25.3.2005, pp 1952-5

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Museum of the Rockies
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