Stegosaurier: Knochenplatten ohne Funktion

Die beeindruckenden Knochenplatten, die Stegosaurier auf ihrem Rücken trugen, hatten vermutlich keinerlei Funktion. Sie dürften den Tieren lediglich geholfen haben, ihre Artgenossen zu identifizieren, sagen amerikanische Forscher. Diverse Theorien zur Bedeutung der Platten sehen sie nach ihren neuen Untersuchungen als widerlegt an.

Stegosaurier besiedelten in der Zeit von vor 210 Millionen Jahren bis vor 144 Millionen Jahren die ganze Erde. Fossile Überreste der bis zu 9 Meter langen Pflanzenfresser wurden in Nordamerika, Europa, Afrika und Asien gefunden. Ihre Knochenplatten, die sich in zwei Reihen vom Nacken bis zum Schwanzende erstreckten, konnten über einen halben Meter hoch werden. Ihnen wurden eine Reihe phantasievoller Funktionen zugeschrieben: Manche Forscher meinten, die Platten hätten Fleischfresser abschrecken sollen. Andere Wissenschaftler verglichen die Knochen mit den Ohren der Elefanten und spekulierten, die Saurier hätten damit ihren Wärmehaushalt reguliert.

Eine Forschergruppe um Kevin Padian von der University of California, Berkeley, will von keiner dieser Theorien etwas wissen. Die Paläontologen schreiben in einem Beitrag für das Fachblatt „Paleobiology“, die Knochenplatten seien am ehesten mit dem bunten Federkleid und den spezialisierten Gesängen von Vögeln zu vergleichen. Demnach hätte der bizarre Rückenschmuck den Sauriern lediglich geholfen, Artgenossen schneller zu erkennen.

Die Forscher hatten die Knochenstruktur untersucht und mit ähnlichem Gewebe bei den Vorläufern der Stegosaurier verglichen. „Eine Schutzfunktion können die Platten kaum erfüllt haben“, sagt Padian, „sie bestanden nur aus einer Schicht festen Knochenmaterials über einem leichten gitterartigen Gewebe, das Raubtiere wie ein Sandwich hätten durchbeißen können.“

Der Wärmeregulierung hätten die Platten nicht gedient, weil röhrenförmige Strukturen im Gewebe, die von Forschern früher als Blutbahnen gedeutet wurden, vom Blutkreislauf abgeschnitten waren. Bei Vergleichen mit zehn Vorläufern der Stegosaurier fanden die Forscher Ansätze zur Plattenbildung, doch auch in diesen Fällen zeigte sich kein Hinweis auf eine Wärmeregulierung.

Nicht einmal bei der Suche nach Sexualpartnern habe der Rückenschmuck geholfen, da sich zwischen männlichen und weiblichen Tieren kaum Unterschiede in den Knochenplatten ausmachen lassen. Dieser Möglichkeit wollen die Forscher allerdings in einem weiteren Forschungsprojekt noch weiter nachgehen. „Wenn Menschen bizarre Strukturen sehen, dann möchten sie denen gerne bizarre Funktionen zuschreiben“, weiß Padians Kollege Russell Main, „aber im Fall des Stegosaurus sowie bei Hornsauriern wie dem Triceratops gibt es nicht zwangsläufig funktionale Erklärungen.“

Forschung: Kevin Padian, Museum of Paleontology, University of California, Berkeley; Russell Main, Department of Organismic and Evolutionary Biology, Harvard University; John R. Horner, Museum of the Rockies in Bozeman; Armand de Ricqlès, University of Paris; Veröffentlichung in „Paleobiology“

Weiter im Web:
Museum of Paleontology, University of California, Berkeley

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