Kurzhalsiger Langhalssaurier entdeckt

Die größten Dinosaurier waren offenbar anpassungsfähiger als allgemein angenommen. Darauf deutet eine neue Saurierart hin, die eine deutsch-argentinische Paläontologengruppe im Magazin „Nature“ beschreibt. Entdeckt von einem patagonischen Schafzüchter bei der Suche nach verlorenen Schafen, handelt es sich um den mit Abstand kurzhalsigsten Langhalssaurier.

Die Sauropoden stellten die größten und schwersten Tiere, die jemals über die Erdoberfläche streiften. Mit ihrem massigen Körper, ihrem extrem langen Hals und Schwanz und ihrem vergleichsweise winzigen Kopf gelten sie allerdings auch als Inbegriff für einen wenig flexiblen Grundbauplan. Diese Ansicht muss nun revidiert werden, glauben die Forscher um Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München.

Im Extremfall war die Halswirbelsäule der Sauropoden dreimal länger als die Rückenwirbelsäule. Bei der neuen Art mit Namen Brachytrachelopan mesai („Mesas kurzhalsiger Hirtengott“) ist sie dagegen sogar ein Viertel kürzer. „Als wir feststellten, wie kurz die einzelnen Halswirbel wirklich waren, konnten wir es zuerst gar nicht glauben – es widersprach einfach jeder Vorstellung eines Sauropoden“, erinnert sich Rauhut.

Das argentinische Exemplar stammt aus dem oberen Jura und ist damit etwa 150 Millionen Jahre alt. Es ist in Form von 20,5 Wirbeln, Rippen, Beckenknochen und einem Kniegelenk erhalten und war eindeutig ausgewachsen. Gleichwohl dürfte es von der Schnauze bis zur Schwanzspitze kaum zehn Meter lang gewesen sein. Nach Ansicht der Forscher lässt dies eine für Sauropoden ungewöhnliche Ernährungsweise vermuten: Während die langhalsigen Giganten alles abgrasten, was horizontal und vertikal in ihrer Reichweite lag, scheint sich Brachytrachelopan auf bestimmte Futterpflanzen in ein bis zwei Metern Höhe spezialisiert zu haben.

Zudem war Brachytrachelopan innerhalb der Linie der Dicraeosaurier offenbar näher mit der zur gleichen Zeit in Afrika aufgetretenen Gattung Dicraeosaurus als mit der etwas später in Südamerika auftauchenden Gattung Amargasaurus verwandt. Zu einer Zeit, als der Superkontinent Pangäa zerbrach, scheine sich diese Dinosaurier-Linie also nicht nur schnell ausgebreitet, sondern auch rasch neue Formen hervorgebracht zu haben, so Rauhut. „Es scheint, dass die Sauropoden, unser Epitom für schwerfällige und wandlungsunfähige Riesen, erfolgreicher und anpassungsfähiger waren, als man gemeinhin angenommen hat.“

Forschung: Oliver W.M. Rauhut, Kristian Remes, Regina Fechner, Gerardo Cladera und Pablo Puerta, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München, und Museo Paleontológico Egidio Feruglio, Trelew; veröffentlicht in „Nature“, Vol. 435, 2. Juni 2005, pp 670-2, DOI 10.1038/nature03623

Weiter im Web:
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Biology of the Sauropod Dinosaurs: The Evolution of Gigantism – Sauropod Dinosaurs
Late Jurassic: Pangea Begins to Drift Apart

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