Saurier mit Vorliebe für Schalentiere

Australische Forscher haben die fossilen Überreste zweier Plesiosaurier entdeckt, in deren Mägen sich noch die letzten Mahlzeiten erhalten haben. Diese bestanden aus einer Vielzahl von Schalentieren. Der Fund widerspricht bisherigen Vermutungen, nach denen Plesiosaurier ausschließlich Fische, Tintenfische und andere frei schwimmende Beute gejagt haben sollen.

Plesiosaurier waren die bedeutendsten Meeresreptilien des Mesozoikums (vor 250 – 65 Mio. Jahren). Sie besaßen vier lange, paddelförmige Flossen, einen kurzen Schwanz und einen kleinen Kopf am Ende eines langen Halses. Bei manchen Arten war der Hals so lang wie Körper und Schwanz zusammen. Die jetzt entdeckten Exemplare waren Elasmosaurier. Diese Art gehörte mit bis zu 14 Metern Länge zu den größten Vertretern der Plesiosaurier. Elasmosaurier wurden bereits in Japan und den USA gefunden. Manche Forscher vermuteten, die Tiere hätten beim Schwimmen den Kopf über die Wasseroberfläche gestreckt, um sich zu orientieren und nach Beute Ausschau zu halten.

Rekonstruktion des Meeressauriers Zeichnung: Chris Glen / Science
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Wahrscheinlicher scheint jetzt, dass die Saurier den Hals nutzten, um den Meeresboden nach tierischer Nahrung abzusuchen. Das berichten australische Forscher um Colin R. McHenry von der University of Newcastle. Die Paläontologen entdeckten die Überreste der beiden Elasmosaurier im Großen Artesischen Becken im Tiefland von Queensland. Die Region ist für Fossilien aus der Kreidezeit bekannt. Die Funde sind je fünf bis sechs Meter lang und 100 bis 110 Millionen Jahre alt, schreiben die Forscher im Magazin „Science“.

Der versteinerte Mageninhalt des Sauriers Blick in den Sauriermagen. Foto: Science
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Die versteinerten Mägen der beiden neuen Saurier enthalten zahlreiche Schalentiere. In einem Exemplar konnten die Forscher Muscheln und Schnecken identifizieren, in dem anderen stießen sie auf Krebsschalen. Beide Tiere schluckten auch Steine – vermutlich, um die Schalen zu zermalmen.

McHenry geht davon aus, dass neben den Schalentieren auch Fische und andere Wasserlebewesen auf der Speisekarte der Plesiosaurier standen. Dass diese Saurier-Ordnung beim Fressen nicht wählerisch war sei vermutlich die Voraussetzung gewesen, um über einen Zeitraum von 135 Millionen Jahren in sämtlichen Meeren zu bestehen.

Forschung: Colin R. McHenry, University of Newcastle, New South Wales; Alex G. Cook, Queensland Museum, South Bank, Queensland; Stephen Wroe, University of Sydney, New South Wales, Australia; in „Science“, Vol. 310, p 75, vom 7.10.2005

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Fossilien australischer Meeresbewohner

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