Dino fraß Gras

In der späten Kreidezeit vor rund 65 Millionen Jahren fraßen Dinosaurier auch Gras. Das lässt der in Indien gefundene versteinerte Kot von Titanosauriden vermuten, jener letzten Familie der großen, langhalsigen Pflanzenfresser, die bis zum Ende der Kreidezeit überlebten.

Schwedische und indische Forscher fanden im Dung der Tiere Spuren von fünf frühen Süßgräsern, die Hinweise auf die Evolution der Gräser liefern. Bisher ging die Forschung allgemein davon aus, dass pflanzenfressende Saurier eher Bäume und Sträucher abfraßen, anstatt sich den Bauch mit urzeitlichen Gräsern zu füllen. Die heute existierenden Süßgräser sollten sich zudem erst vor etwa 35 Millionen Jahren zu modernen Gattungen entwickelt haben.

Im Dung der Dinos konnten die Forscher jetzt aber so genannte Phytolithe identifizieren – Partikel aus Kieselsäure, die von vielen Pflanzen im Zellgewebe abgelagert werden. Die Zehntel Millimeter kleinen Partikel durchwanderten den Sauriermagen unbeschadet und haben sich im fossilen Kot erhalten. Die Phytolithe erlauben Rückschlüsse auf die frühen Gras-Arten der Kreidezeit.

Die Forscher um Vandana Prasad vom Birbal Sahni Institute for Paleobotany präsentieren ihre Entdeckung im Magazin „Science“. Dort stellen sie die These auf, die Hauptgattungen der Süßgräser seien schon vor über 80 Millionen Jahren entstanden. Es handle sich um Vorläufer heutiger Reis- und Bambusarten, die auf dem Urkontinent Gondwana wuchsen, bevor sich die Erdmasse des heutigen Indien vom Urkontinent trennte. Auch frühe Vertreter unseres heutigen Getreides wollen die Paläontologen im Dino-Kot gefunden haben.

Weil Süßgräser in der Kreidezeit noch eher selten gewesen sein müssen, dürften sie für die Titanosauriden nur eine untergeordnete Rolle in der Ernährung gespielt haben.

Foto: Science

Forschung: Vandana Prasad, Birbal Sahni Institute for Paleobotany, Lucknow, Indien; Caroline A.E. Strömberg, Swedish Museum of Natural History, Stockholm, Schweden; H. Alimohammadian, A. Sahni, Panjab University, Chandigarh, Indien; in „Science“ Vol. 310, 18.11.2005, pp 1177-1780

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