Gliederfüßer: Beschwerlicher Landgang eines Riesen

Als sich die ersten Vierbeiner zum Verlassen des Meeres anschickten, unternahmen auch riesige Gliederfüßer gelegentliche Landausflüge. Das belegt die Entdeckung einer sechs Meter langen, fossilen Spur in Schottland. Vor gut 330 Millionen Jahren schleppte sich dort ein mehr als anderthalb Meter großer Seeskorpion über das Land.

Im Wasser ein ebenso gewandter wie gefährlicher Räuber, habe sich das Tier an Land nur mühsam und in kleinen Schritten vorwärts arbeiten können, schreibt Martin Whyte von der University of Sheffield im Magazin „Nature“. Immerhin habe es längere Zeit außerhalb des Wassers überleben können.

fossile Spuren von Gliederfüßern Bilder: University of Sheffield

Die knapp einen Meter breite Spur war an einer überhängenden Felswand entdeckt worden. Sie besteht aus Abdrücken von mindestens drei Paaren unterschiedlich langer Gliedmaßen, zwischen denen die Schleifspur eines doppelt gekielten Hinterleibs bzw. Schwanzes verläuft. Beide Spurtypen ziehen sich in leichten Wellen, allerdings mit einem Versatz in Bewegungsrichtung von 50 bis 60 Zentimeter über den Sandstein. Auch die kurze Schrittlänge von maximal 27 Zentimeter deutet darauf hin, dass der gut 1,6 Meter lange Riese nur langsam vorankam.

Die ausgestorbenen Seeskorpione (Eurypterida) gehören ebenso wie die Pfeilschwanzkrebse zu den urtümlichsten Vertretern der Spinnentiere. Whyte schreibt die neue Spur einem Individuum der Gattung Hibbertopterus zu. Zwar seien von solchen Seeskorpionen zahlreiche weitere Spuren bekannt, darunter sogar eine noch breitere. Diese stammten jedoch allesamt von schwimmenden Tieren, die vergleichsweise leichtfüßig über den Meeresgrund getänzelt seien.

Forschung: Martin Whyte, Department of Geography, University of Sheffield; veröffentlicht in „Nature“, Vol. 438, 1. Dezember 2005, p 576, DOI 10.1038/438576a

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Eurypterida
This Bug’s A Big One

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