Perm: Massensterben durch Vulkangase?

Das bislang schwerste Artensterben der Erdgeschichte wurde möglicherweise durch ätzende Vulkangase ausgelöst. Entsprechende Befunde präsentiert eine internationale Forschergruppe im Fachblatt „Geology“. Ihren Untersuchungen zufolge wurden vor knapp 250 Millionen Jahren gewaltige Mengen von Erdreich in die Meere gespült – offenbar als Folge eines umfassenden Pflanzensterbens.

„Die Ursache für das Massensterben am Ende des Perm ist heftig umstritten“, so Mark Sephton vom Imperial College London. „Wir zeigen nun, dass die terrestrischen Ökosysteme als erste betroffen waren. Der kontinentale Maßstab dieses Ereignisses spricht dafür, dass es durch irgendetwas in der Atmosphäre ausgelöst wurde.“

Die Auslöschung von etwa 90 Prozent aller Meeresbewohner und 70 Prozent aller Landbewohner markiert die Grenze zwischen dem Perm und der nachfolgenden Trias. Einige Forscher vermuten die Ursache in einem Meteoriteneinschlag, andere in der Freisetzung riesiger Mengen von Treibhausgasen aus der Tiefsee oder aus Vulkanen. Neue Hinweise zur Klärung des Rätsels fanden Sephton und Kollegen jetzt bei der Untersuchung von versteinertem Meeresgrund in den Dolomiten.

In dem Gestein enthaltene Verbindungen gehen demnach auf Kohlenhydrate zurück, die chemisch verändert wurden, indem das Sediment mineralisiert und schließlich aus dem Wasser gehoben wurde. Trotz ihres Fundorts dürften die Kohlenhydrate terrestrischer Herkunft sein, so die Forscher, zudem stamme das Material aus einer Zeit, als im heutigen Sibirien verheerende Vulkanausbrüche stattfanden.

Laut Sephton und Kollegen sprechen diese Resultate für die Annahme, vulkanische Gase hätten die Ozonschicht zerstört bzw. das Erdreich stark angesäuert. Als Folge sei der Großteil der Pflanzen abgestorben und das nicht mehr von Wurzeln gehaltene Erdreich in die Meere gespült worden. Die trübe Sedimentfracht habe einerseits die Photosynthese behindert, andererseits sei bei ihrem Abbau Sauerstoff aufgezehrt worden. „Was an Land seinen Anfang nahm, endete in den Meeren“, so Henk Visscher von der Universität Utrecht, einer der Forscher. „Zur Zeit dieses Massensterbens dürfte es keinen sicheren Unterschlupf gegeben haben.“

Forschung: Mark A. Sephton, Impacts and Astromaterials Research Centre, Department of Earth Science and Engineering, Imperial College London; Henk Visscher, Department of Palaeoecology, Laboratory of Palaeobotany and Palynology, Utrecht University; und andere; veröffentlicht in „Geology“, Vol. 33(12), pp 941-4, DOI 10.1130/G21784.1

Weiter im Web:
Impacts and Astromaterials Research Centre, Imperial College London
Palaeoecology, Universiteit Utrecht
The Extinction Files
Die Entstehung der Alpen

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