Urvogel mit Dino-Kralle

Der Urvogel Archaeopteryx stand den Sauriern näher als bisher vermutet. Untersuchungen an einem bisher nicht öffentlich zugänglichen Exemplar lieferten neue Erkenntnisse zu den Krallen des Tieres. Das berichten Gerald Mayr und Stefan Peters vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt im Magazin „Science“.

Die Forscher präsentieren den rund 150 Millionen Jahre alten Fund von der Größe einer Taube zusammen mit Burkhard Pohl vom Wyoming Dinosaur Center in Thermopolis. Das Center kaufte den Urvogel nach dem Tod eines privaten Sammlers; der genaue Fundort aus der Gegend um Solnhofen ist unbekannt. Was das insgesamt zehnte Exemplar eines Archaeopteryx seit dem Erstfund von 1861 so besonders macht, ist seine Bauchlage im Kalkgestein. Die anderen fossilen Urvögel haben sich in seitlicher Lage erhalten.


Bild: Gerald Mayr / Forschungsinstitut Senckenberg
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An den Füßen identifizierten Mayr und seine Kollegen eine Kralle an der zweiten Zehe, die an Dromeaosauriden wie Velociraptor und Deinonychus erinnert. Die drei bis vier Meter langen Deinonychosaurier trugen ihre auffälligen, sichelförmigen Kralle ebenfalls an der jeweils zweiten Zehe ihrer Füße, mitunter auch an den Fingern. Diese Krallen wurden beim Laufen hochgeklappt und stellten beim Reißen von Beute eine ideale Waffe dar. Zudem soll die erste Zehe, die bei heutigen Vögeln nach hinten gerichtet ist, beim Archaeopteryx seitlich am Fuß angelagert sein. Die Zehe erinnert damit an den menschlichen Daumen.

Auch der sehr gut erhaltene Schädel in dorsaler Ausrichtung ist eher dem Deinonychosaurier ähnlich: Er besitzt vor den Augen Öffnungen im Knochen, die bei modernen Vögeln nicht mehr vorkommen. Einerseits bekräftigt der Fund die These, dass Vögel von Sauriern abstammen. Andererseits wird jetzt zu diskutieren sein, ob der Archaeopteryx tatsächlich der erste „Urvogel“ war, oder nicht doch eher als gefiederter Deinonychosaurier einzuordnen ist.

Forschung: G. Mayr, D.S Peters, Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt; B. Pohl, Wyoming Dinosaur Center, Thermopolis; in „Science“, Vol. 310, 2.12.2005, pp 1483-1486

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Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg
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