Chicxulub-Einschlag vermutlich vor Sauriersterben

Der berüchtigte Einschlag auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán war möglicherweise nicht die Ursache für das Massensterben, dem unter anderem die Dinosaurier zum Opfer fielen. Entsprechende Hinweise hat ein niederländischer Forscher gefunden. Auf den Einschlag zurückgehende Schmelzkügelchen finden sich demnach in Gesteinsschichten, die bis zu 300.000 Jahre vor dem Artensterben abgelagert wurden.

Der Einschlag vor rund 65 Millionen Jahren sei zweifellos ein katastrophales Ereignis gewesen, betont Markus Harting von der Universiteit Utrecht. Angesichts der neuen Resultate stelle sich jedoch die Frage, ob und in welchem Maße er zu dem Artensterben an der K/T-Grenze, dem Übergang zwischen Kreide und Paläogen, beigetragen habe. Immerhin könnte das etwas früher datierte Verschwinden der Ammoniten mit dem Einschlag in Verbindung stehen.

Chicxulub-Sphaerule Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Sphärule.
Bild: Markus Harting

Harting untersuchte erstarrte Tröpfchen geschmolzenen Gesteins, die im Gebiet um den Golf von Mexiko und die Karibik gefunden worden waren. Die geochemische Analyse dieser Sphärulen spreche für einen gemeinsamen Ursprung im Einschlaggebiet, berichtet der Forscher auf einer Fachtagung im argentinischen Mendoza. In Texas liegen mehrere Sphärulenschichten allerdings bis zu zehn Meter unterhalb der K/T-Grenze, also in deutlich älterem Gestein.

Umgekehrt finden sich Sphärulen in Belize, Guatemala und Haiti auch oberhalb der K/T-Grenze, also in jüngerem Gestein. Letzteres könne durch Erosion des Sediments und Umlagerung der Sphärulen erklärt werden, so Harting. Im Falle der texanischen Gesteinsschichten erscheine dies jedoch als eher unwahrscheinlich.

Unabhängig von der Lage der Sphärulen hätten sich Anreicherungen des Elements Iridium, üblicherweise als Rückstand eines massiven Einschlag gedeutet, stets in der Nähe der K/T-Grenze gefunden. „Dies verschärft das Missverhältnis zusätzlich“, so Harting. Möglicherweise habe das Iridium nichts mit dem Chicxulub-Einschlag zu tun. Eine alternative Erklärung für die Anreicherung sei, dass das Sonnensystem vor 65 Millionen Jahren eine kosmische Region hoher Materialdichte durchquert habe.

Forschung: Markus Harting, Sedimentologie, Faculteit Geowetenschappen, Universiteit Utrecht; Präsentation auf der Fachkonferenz Backbone of the Americas – Patagonia to Alaska, Mendoza

Weiter im Web:
Geowetenschappen, Universiteit Utrecht
Chicxulub Impact Event
Grenzton
Ablauf der Evolution – Mesozoikum

Werbung: