Manche Mammuts waren blond

Nicht alle Mammuts waren dunkelhaarig. Das hat eine internationale Forschergruppe erstmals anhand von uralter DNA zeigen können. In Sibirien gefundene Knochen scheinen demnach von einem eher blonden Individuum zu stammen.

Bereits früher habe man dunkel und hell gefärbte Haare an Mammutüberresten aus dem Permafrostboden gefunden, schreiben die Forscher um Holger Römpler von der Universität Leipzig und Michael Hofreiter vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig, im Magazin “Science”. Die neuen Resultate bestätigten, dass diese Farbunterschiede auch auf Genmutationen zurückgingen. Zudem eröffneten sie die Möglichkeit, anhand von DNA-Spuren längst ausgestorbener Tiere auf deren Eigenschaften zu schließen.

Blondes Mammuthaar Veränderungen in einem einzigen Gen könnten einigen Mammuts helles Fell beschert haben. Foto: Dr. Ulrich Joger / Staatliches Naturhistorisches Museum Braunschweig

Hofreiter und Kollegen gewannen und vervielfältigten Erbgut aus den Knochen eines Mammuts (Mammuthus primigenius), das vor rund 43.000 Jahre in Sibirien gestorben war. Aus vielen kleinen DNA-Fragmenten konnten sie das Gen für den Melanocortin-1-Rezeptor (MC1R) rekonstruieren. Das auch bei Menschen vorhandene Eiweiß sitzt in der Außenmembran von Haar- und Hautzellen und fördert nach Aktivierung durch einen Signalstoff die Produktion des braunschwarzen Pigments Melanin.

Verglichen mit dem entsprechenden Gen bei Elefanten, wies das Mammutgen drei Veränderungen auf, die sich auf das zugehörige Protein auswirkten. Um mehr über die Folgen zu erfahren, bauten die Forscher das Gen nach und schleusten es in Zellkulturen ein. Das daraufhin gebildete Rezeptorprotein wies eine geringe Grundaktivität auf und ließ sich auch nur mäßig gut aktivieren.

Einen ansonsten intakten Pigment-Stoffwechsel vorausgesetzt, dürfte das Mammut helles Haar gehabt haben, schließen Hofreiter und Kollegen. Aus Überresten anderer Mammuts konnten sie dagegen Varianten des MC1R-Gens isolieren, die in den drei variablen Positionen mit dem Elefantengen übereinstimmte und ein aktives Protein ergaben. Diese Tiere dürften dunkelhaarig gewesen sein. Ob es sich bei der Färbung um eine Anpassung an den jeweiligen Lebensraum handelte, ist derzeit noch unklar.

Forschung: Holger Römpler, Molekulare Biochemie, Institut für Biochemie, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig; Nadin Rohland und Michael Hofreiter, Abteilung Evolutionäre Genetik, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig; und andere; Veröffentlichung in „Science“, Vol. 313, 7. Juli 2006, p 62, DOI 10.1126/science.1128994

Weiter im Web:
Mokulare Biochemie, Universität Leipzig
MPI für evolutionäre Anthropologie
About Mammoths
The Roots of Red Hair
Rasche Entfaltung im Elefanten-Stammbaum

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