Pilze waren „Mammutbäume“ der Urzeit

Ein Pilz könnte lange Zeit alle anderen Organismen der Erde überragt haben. Neue Belege für diese Hypothese präsentieren amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt „Geology“. Bei rätselhaften, bis zu acht Meter hohen Säulen aus dem Devon scheint es sich demnach um Fruchtkörper gehandelt zu haben, vergleichbar riesigen Stinkmorcheln.

Die merkwürdigen Gebilde sind Paläontologen seit 1859 bekannt und wurden mal als urtümliche Nadelbäume, mal als riesige Algen, Flechten oder Pilze gedeutet. „Ganz unabhängig davon, für welche Ansicht man argumentiert, halten einen die Leute für etwas verrückt“, erklärt Kevin Boyce von der University of Chicago. „Ein 20 Fuß hoher Pilz macht keinen Sinn, ebenso eine 20 Fuß hohe Alge. Und doch gibt es diese Fossilien.“

Getauft auf den Gattungsnamen Prototaxites, lebten die ungewöhnlichen Organismen vor etwa 420 bis 350 Millionen Jahren. Mikroskopische Untersuchungen hatten bereits vermuten lassen, dass es sich um Fruchtkörper – die Sporen bildenden und ausstreuenden Strukturen – von Pilzen handelte. Boyce und sein Team konzentrierten sich nun auf die stoffliche Zusammensetzung des Materials.

Photosynthese betreibende Pflanzen nehmen bevorzugt Kohlendioxid mit dem leichten Kohlenstoff C-12 aus der Luft auf und “verschmähen” die Variante mit dem schweren C-13. Tatsächlich enthalten auch einige Prototaxites-Exemplare relativ viel C-12, berichten die Forscher. Andere wiederum, enthalten mehr schweres C-13 als ähnlich alte pflanzliche Fossilien vom gleichen Fundort. Demnach habe Prototaxites wohl keine Photosynthese betrieben, sondern sich nach Art von Pilzen von toter organischer Substanz ernährt. Die unterschiedlichen Isotopenverhältnisse zeigten, wie viel pflanzliches Material jeweils vorhanden gewesen sei.

Über die Gründe für den Riesenwuchs könne man derzeit nur spekulieren, erklärt Boyce’ Kollegin Carol Hotton vom National Museum of Natural History in Washington. „Ich frage mich, ob Prototaxites seine Sporen so über größere Entfernungen verbreiten und geeignete, marschenähnliche Lebensräume besiedeln konnte.“ Nicht minder rätselhaft seien die Gründe für das Verschwinden der urtümlichen Riesen.

Forschung: C. Kevin Boyce, Department of Geophysical Sciences, University of Chicago, Chicago; Carol L. Hotton und Francis M. Hueber, Department of Paleobiology, National Museum of Natural History, Washington, D.C.; und andere; Veröffentlichung in „Geology“, Vol. 35(5), pp 399-402, DOI 10.1130/G23384A.1

Weiter im Web:
Homepage Kevin Boyce
Prototaxites – Fungus, Alga, Lichen?
Introduction to the Fungi
Rubisco and Stable Carbon Isotopes

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