Neue Hinweise auf Leben vor 3,35 Milliarden Jahren

Schon vor mehr als drei Milliarden Jahren gab es Leben auf der Erde, ist eine internationale Forschergruppe überzeugt. Ihren Untersuchungen zufolge, sind mikroskopisch kleine „Fraßgänge“ in australischem Vulkangestein gut 3,35 Milliarden Jahre alt.

Die Frage nach dem Entstehungszeitpunkt des irdischen Lebens sei eine der ältesten überhaupt, so Neil Banerjee von der University of Western Ontario. „Unsere Arbeit beantwortet diese Frage zwar nicht. Sie liefert jedoch überzeugende Indizien dafür, dass es schon sehr früh in der Erdgeschichte Leben gab.“ Banerjee und Kollegen präsentieren ihre Resultate im Fachblatt „Geology“.

Bereits vor drei Jahren hatte die gleiche Gruppe über wenige Mikrometer (Tausendstel Millimeter) weite Gänge in 3,5 Milliarden Jahre alter Lava aus Südafrika berichtet. Ihrer Ansicht nach gehen diese Gänge auf Mikroben zurück, die sich auf der Suche nach Nahrung durch das Gestein gearbeitet haben. Das Alter der Gänge selbst konnte allerdings nicht verlässlich bestimmt werden. Dieses Kunststück ist nun an ganz ähnlicher Lava aus Australien geglückt, sind die Forscher überzeugt.

Die Gänge in dem Gestein – wie auch jene in dem südafrikanischen Material – sind mit dem Silikatmineral Titanit gefüllt. Banerjee und Kollegen bestimmten die Konzentrationen unterschiedlicher Uran-Isotope und daraus durch radioaktiven Zerfall entstandener Blei-Isotope in der Füllung. Anhand dieser Werte und der bekannten Zerfallskonstanten berechneten sie, dass sich das Mineral vor gut 3,35 Milliarden Jahren in den Gängen abgelagert hat.

Laut Banerjee liefert die Arbeit die erste direkte Datierung einer fossilen Spur aus dem Archaikum. Schon früher hatten andere Gruppen über Fossilien aus diesem Erdzeitalter berichtet, bei denen es sich möglicherweise um versteinerte Zellen bzw. Bakterienmatten handelt. Da ähnliche Strukturen jedoch auch rein chemisch entstehen können, überzeugen solche Funde nicht alle Wissenschaftler.

Immerhin hat die kanadische Weltraumagentur Banerjee und Kollegen beauftragt, nach ähnlichen „Fraßgängen“ in besonders altem Vulkangestein im Norden Kanadas zu fahnden. Im Erfolgsfall könnten diese Spuren als Anschauungsmaterial für die Suche nach außerirdische Lebensspuren dienen, glaubt der Forscher. „Das, was wir auf der Erde sehen, könnte das Rezept für Leben auf dem Mars liefern.“

Forschung: Neil R. Banerjee, Department of Earth Sciences, University of Western Ontario, London, Ontario; Harald Furnes, Centre for Geobiology und Department of Earth Science, University of Bergen; Hubert Staudigel, Scripps Institution of Oceanography, University of California, La Jolla; und andere; Veröffentlichung in „Geology“, Vol. 35(6), pp 487-90, DOI 10.1130/G23534A.1

Weiter im Web:
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Arten von Fossilien
Earth’s Early Environment and Life
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