Was die Dinosaurier (nicht) hörten

Den Dinosauriern dürfte sich ein völlig anderer Hör-Eindruck der Umwelt geboten haben als ihren modernen Verwandten. Zu diesem Schluss kommt ein amerikanisch-deutsches Forschertrio nach einem Innenohrvergleich. Hochfrequente Töne wie das Zwitschern heutiger Singvögel dürften die großen Echsen demnach kaum wahrgenommen haben, tieffrequente Geräusche wie die Schritte anderer Dinosaurier dagegen sehr gut.

„In dieser Hinsicht dürften die Dinosaurier am ehesten sehr großen Säugetieren der heutigen Zeit geähnelt haben, beispielsweise den Elefanten“, erklärt Robert Dooling von der University of Maryland. „Im höherfrequenten Bereich war ihr Gehör aber wohl schlechter als das der meisten modernen Säuger.“ Dooling und seine Kollegen aus Regensburg und München stellen ihre Resultate auf einer Fachtagung in Salt Lake City vor.

Das Trio verglich die Dimensionen jener Innenohrstruktur, in der Schall in Nervensignale umgewandelt wird. Diese Lagena, das Pendant zur Hörschnecke (Cochlea) der Säugetiere, ist bei Reptilien und Vögeln ähnlich aufgebaut. Von federleichten Singvögeln über den „Urvogel“ Archaeopteryx bis hin zum Kaiman und viele Tonnen schweren Dinosauriern wächst ihre Länge logarithmisch mit der Körpermasse. Und damit verschiebt sich – bei heute lebenden Arten – der Bereich maximaler Schallempfindlichkeit zu tieferen Frequenzen, ermittelte das Trio.

Auf Basis dieser Korrelationen schätzen Dooling und Kollegen, dass ein knapp 1,5 Tonnen schwerer Allosaurus fragilis im Frequenzbereich zwischen 400 und 700 Hertz am besten hören konnte. Bei einem 75 Tonnen schweren Brachiosaurus brancai dürfte das Optimum dagegen bei 340 Hertz gelegen haben, Töne jenseits von 3.000 Hertz dürften die Riesen nicht mehr wahrgenommen haben.

Zum Vergleich: Hunde hören im Bereich um 8.000 Hertz am besten, junge Menschen bei etwa 2.000 Hertz. Mit dem Alter verschiebe sich das Optimum des menschlichen Gehörs allerdings zu tieferen Frequenzen, so Dooling weiter. „In gewissem Sinne wird unser Gehör dem der Dinosaurier also immer ähnlicher.“

Forschung: Robert J. Dooling, Department of Psychology, University of Maryland, College Park; Otto Gleich, Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Universitätsklinik Regensburg; Geoffrey A. Manley, Lehrstuhl für Zoologie, Technische Universität München; Präsentation auf dem 153rd Meeting of the Acoustical Society of America, Salt Lake City; # 2aAB2

Weiter im Web:
Dooling Laboratory of Comparative Psychoacoustics
Aufbau des Ohrs
Hörschwelle
Brachiosaurus brancai

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