Saurier im Todeskampf

Die dramatisch anmutende Haltung vieler Saurierskelette ist kein Zufall, ist ein amerikanisches Forscherduo überzeugt. Seinen Untersuchungen zufolge, spiegeln das weit geöffnete Maul und der zurückgebogene Hals tatsächliche Todesqualen wieder, letztlich hervorgerufen durch ein Versagen des Zentralnervensystems.

Bislang sei die Stellung vieler Fossilien allein auf die Umstände nach dem Tod zurückgeführt worden, so Cynthia Marshall Faux vom Museum of the Rockies. Beispielsweise habe man die überstreckte Wirbelsäule und die verkrampfte Haltung der Gliedmaßen durch das Zusammenziehen trocknender Sehnen und Bänder oder die Totenstarre zu erklären versucht.

Schon aus rein anatomischen Gründen sei diese Annahme jedoch eher unlogisch, so die Veterinärin und Paläontologin. Zudem sehe man die überstreckte Stellung in der tierärztlichen Praxis relativ häufig, „etwa bei Strychnin-Vergiftungen, bei angefahrenen oder anderen, im Sterben liegenden Tieren“. Neurologen sei die opisthotonische Stellung von Patienten mit Gehirnhautentzündung oder Wundstarrkrampf ebenfalls bekannt.

Faux und ihre Kollege Kevin Padian von der University of California in Berkeley machten nun die Probe aufs Exempel. In einer Klinik für Greifvögel verfolgten sie peinlich genau, ob sich die Körper eingeschläferter Tiere in den zehn Stunden nach dem Tod bewegten. Zudem ließen sie ganze Vogelkadaver zwei Monate lang trocknen. In keinem Fall habe sich eine Veränderung der Ausgangsstellung gezeigt, berichtet das Duo im Fachblatt „Paleobiology“.

Zwar könne die „gequälte“ Haltung mancher Fossilien auf den Transport in Bächen und Flüssen zurückgeführt werden, so die Forscher. In den übrigen Fällen sei die wahrscheinlichste Erklärung jedoch eine andere: Die Überstreckung ergebe sich, wenn jene Muskeln, die den Körper gegen die Schwerkraft aufrecht hielten, nicht mehr vom Kleinhirn kontrolliert würden und sich verstärkt zusammenzögen.

Eine Vielzahl von Fossilien muss unter diesem Gesichtspunkt neu interpretiert werden, sind Faux und Padian überzeugt: „Die opisthotonische Stellung verrät uns mehr über die Umstände zum Zeitpunkt des Todes als über die Ereignisse nach dem Tod.“

Forschung: Cynthia Marshall Faux, Department of Paleontology, Museum of the Rockies, Bozeman, Montana, und Division of Vertebrate Paleontology, Yale Peabody Museum, New Haven, Connecticut; Kevin Padian, Department of Integrative Biology und Museum of Paleontology, University of California, Berkeley. Veröffentlichung in „Paleobiology“, Vol. 33(2), pp 201-26, DOI 10.1666/06015.1

Weiter im Web:
Museum of the Rockies
Museum of Paleontology, University of California
Archaeopteryx in typischer Stellung
Making Fossils

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