Eiszeitliche Knochenbrecher

Karte: National Atlas of the United States Ganz besondere Wölfe durchstreiften bis vor 12.500 Jahren das trockengefallene Gebiet zwischen Alaska und Sibirien. Amerikanische und schwedische Biologinnen haben entdeckt, dass die Tiere deutlich kräftiger zubeißen konnten als heutige Artgenossen. Vermutlich hochspezialisiert auf große Beute, teilten sie gegen Ende der Eiszeit deren Schicksal – sie starben aus.

Zwischen Sibirien und Alaska bestand einst eine Landverbindung. Karte: National Atlas of the United States

„Diese Wölfe hatten vergleichsweise massige Zähne und breite Schädel mit kurzen Schnauzen, was ihnen einen kräftigeren Biss verliehen haben dürfte“, erklärt Blaire Van Valkenburgh von der University of California in Los Angeles. Vermutlich hätten sie vornehmlich Mammuts, Bisons und andere große Tiere gejagt und – gemessen am starken Gebissverschleiß – oft auch deren Knochen zermalmt. Eine mögliche Erklärung für diese effektive Verwertung liege in der Konkurrenz durch Säbelzahnkatzen, Kurzschnauzenbären und Amerikanische Löwen.

Van Valkenburgh und ihre Kolleginnen untersuchten Überreste von 56 Wölfen (Canis lupus), die aus dem Permafrostboden Alaskas geborgen worden waren. Mit einer Ausnahme waren die Skelette mindestens 12.500 Jahre alt. Offenbar hätten die “Knochenbrecher” schon vor dem Verschwinden vieler großer Beutearten vor etwa 10.000 Jahren einen Populationseinbruch erfahren, schließen die Forscherinnen im Fachblatt „Current Biology“.

Der Gruppe gelang es auch, Teile der Mitochondrien-DNA von 20 Individuen sequenzieren. Demnach unterschieden sich die eiszeitlichen Wölfe Alaskas genetisch deutlich von weiter südlich, in Kalifornien lebenden Zeitgenossen. Und auch im Erbgut moderner Wölfe scheinen sie keine Spuren hinterlassen zu haben, so die Biologinnen. Die heute in Alaska und Kanada lebenden Wölfe müssten daher auf Einwanderer aus anderen Regionen zurückgehen.

Forschung: Jennifer A. Leonard und Blaire Van Valkenburgh, Department of Ecology and Evolutionary Biology, University of California, Los Angeles, Department of Vertebrate Zoology, National Museum of History, Smithsonian Institution, Washington, D.C., und Department of Evolutionary Biology, Uppsala University; und andere; Veröffentlichung in „Current Biology“, DOI 10.1016/j.cub.2007.05.072

Weiter im Web:
Ecology and Evolutionary Biology, UCLA
Canidae
Yukon Beringia Interpretive Center
– Bewohner Beringias

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