520 Mio. Jahre alte Krebse entdeckt

In der chinesischen Provinz Yunnan wurden die fossilen Überreste der bislang ältesten Repräsentanten der modernen Krebse (Crustacea) gefunden. Die sehr kleinwüchsigen Tiere stammen aus dem Unterkambrium und sind rund 520 Millionen Jahre alt. Vier Forscher aus China, Großbritannien und Deutschland stellen den Fund im Magazin „Nature“ vor.

Foto: Universität Ulm

Die Fossilien der nur wenige Millimeter großen Krebse sind außergewöhnlich gut erhalten; die Augen und sogar die Borsten an den Beinen sind zu erkennen. Die Tiere liegen in mehreren Wachstumsstadien vor und erlauben so tiefe Einblicke in das Leben der Krebse. Die neue Art wurde nach der ethnischen Minderheit der ‚Yi‘, die einst im südlichen China im Königreich Dian lebten, „Yicaris dianensis“ benannt.

Ein bedeutendes Detail des neuen Fundes sind kleine blattartige Auswüchse außen an den Körperbeinen. Nach Ansicht einiger Autoren sollen die Insektenflügel aus derartigen Strukturen hervorgegangen sein. Der kambrische Nachweis solcher extrem weicher und bisher nicht an Fossilien gefundenen Anhängen ist daher ein wichtiger Beitrag in der Debatte um die Evolution der geflügelten Gliederfüßer, die heute die Mehrzahl aller tierlichen Lebewesen darstellen.

Das hohe Alter von Yicaris sei ein Hinweis darauf, dass die Wurzeln der Gliederfüßer insgesamt weit vor dem Kambrium lägen, meint Dieter Waloßek von der Universität Ulm, einer der Autoren der „Nature“-Veröffentlichung: „Dieser außergewöhnliche paläontologische Fund verlängert den Nachweis von Krebsen um mehr als 10 Millionen Jahre an die Grenze zum Kambrium. Dies ist für die Evolution der größten Tiergruppen, der Gliederfüßer und der Tiere insgesamt von großer Bedeutung und ein weiterer Beleg gegen die Hypothese von einer ‚kambrischen Explosion‘.“

Zur Gruppe der Crustacea gehören heute fast 100.000 Arten, u. a. Garnelen, Hummer, Krabben, Seepocken und Wasserflöhe. Die Gruppe ist erdgeschichtlich seit knapp 480 Millionen Jahren nachgewiesen, also bis ins frühe Ordovizium. Einige seltene Funde sind sogar dem ausgehenden Kambrium, also einer Zeit vor rund 505 Millionen Jahren zugeordnet. Der neue Fund aus dem unteren Kambrium stellt damit den ersten unzweifelhaften modernen Krebs dar.

Forschung: Xi-guang Zhang, Key Laboratory for Palaeobiology , Yunnan University, Kunming; David J. Siveter, Department of Geology, University of Leicester; Dieter Waloszek, Andreas Maas, AG Biosystematische Dokumentation, Universität Ulm; in Nature Vol. 449 Nr. 7162, pp 595-598 vom 4.10.2007

Weiter im Web:
Beitrag in Nature
AG Biosystematische Dokumentation
Center of „Orsten“ Research and Exploration C.O.R.E.

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