Forscher durchleuchten Bernstein-Spinne

Was Medizinern recht ist, kann Paläontologen nur billig sein. Englischen und belgischen Forschern ist es gelungen, eine winzige Spinne per Computertomographie in ihrem Bernstein-Sarg zu untersuchen. Die extrem hochauflösenden Bilder zeigen den äußeren Körperbau wie auch die inneren Organe des Tieres in ungeahntem Detailreichtum.

Spinne aus dem Bernstein 1 Das CT-Modell zeigt die winzige Spinne in allen Details. Grafik: Penney et al./The University of Manchester

Die Spinne selbst ist nur etwa 1 Millimeter groß und in 53 Millionen Jahre altem Bernstein eingeschlossen. Anhand der neuen Aufnahmen lässt der Winzling präzise in den Stammbaum der Spinnen einordnen, berichten David Penney von der University of Manchester und seine Kollegen im Fachblatt „Zootaxa“. Dies belege den großen Wert von Fossilien für die systematische Forschung.

Die Forscher durchleuchteten das Bernsteinstück mit Hilfe der Computertomographie. Bei dem Verfahren wird ein Objekt aus allen Richtungen geröntgt. Aus den einzelnen Aufnahmen wird dann ein dreidimensionales Modell berechnet, das beliebig gedreht und „aufgeschnitten“ werden kann. In diesem Fall kam eine von Physikern der Universität Gent entwickelte Variante zum Einsatz, die Daten mit einer extrem hohen Auflösung liefert.

Spinne aus dem Bernstein 2
Das CT-Modell lässt sich beliebig drehen und virtuell aufschneiden, sodass die inneren Organe sichtbar werden. Grafik: Penney et al./The University of Manchester

Insbesondere die Kiefertaster der Spinne sind anhand des so berechneten Modells gut zu studieren, berichten die Forscher. Bei dem Tier handelt es sich demnach um ein Männchen einer bislang unbekannten Art und Gattung in der Familie der Micropholcommatidae – einer heute weit verbreiteten Gruppe winziger Waldbewohner, über deren Vergangenheit bislang praktisch nichts bekannt war.

„Bernstein ermöglicht uns einzigartige Einsichten in längst vergangene Ökosysteme“, erklärt Penney. „Er bewahrt eine unglaubliche Informationsfülle, nicht nur über die Spinnen, sondern auch über die Umgebungen, in denen sie lebten.“

Forschung: David Penney, School of Earth, Atmospheric and Environmental Sciences, University of Manchester; Manuel Dierick und Patric Jacobs, Department of Subatomic and Radiation Physics und Department of Geology and Soil Science, Ghent University, Ghent; und andere; Veröffentlichung in „Zootaxa“, Vol. 1623, pp 47-53

Weiter im Web:
Earth, Atmospheric and Environmental Sciences, University of Manchester
Subatomic & Radiation Physics, Universiteit Gent
Micropholcommatid Spiders
Amber – Window to the Past
Computertomographie

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