Fossil: Fressen und gefressen werden

Lebhafte Einblicke in eine urzeitliche Nahrungskette gestattet eine Steinplatte, die Forscher aus Berlin und Bad Dürkheim in den „Proceedings of the Royal Society“ vorstellen. In die Platte eingeprägt ist der Körper eines Hais, der kurz zuvor zwei Amphibien verspeist hat. Eines davon hat wiederum einen Fisch im Bauch.

Das im saarländischen Lebach gefundene Fossil zeige damit den ersten greifbaren, drei Stufen umfassenden Ausschnitt aus einer alten Nahrungskette, erläutern Jürgen Kriwet vom Museum für Naturkunde der Berliner Humboldt-Universität und seine Kollegen. Zumindest im Wasser sei die Rollenverteilung damals eine andere gewesen als heute.

Die gut ellenlange Platte aus Siderit (Eisenspat) stammt aus dem Saar-Nahe-Becken – einem langgezogenen Trog am Südrand eines Gebirges. Darin bildeten sich mehrfach Süßwasserseen, die nur vorübergehend mit dem nahen Meer verbunden waren.

Eingeprägt in das Gestein ist der vordere Teil vom Skelett eines Einhornhais (Triodus sessilis). In dessen Bauchraum, direkt hinter dem Ansatz der Brustflossen, liegen die Skelette zweier lurchartiger Temnospondylen (Archegosaurus decheni und Cheliderpeton latirostre). Eines davon ist fast vollständig erhalten und birgt in seinem Bauch wiederum Überreste eines offenbar schon stark verdauten Fisches (Acanthodes bronni).

Lange Zeit habe man angenommen, dass der bis zu einen halben Meter lange Einhornhai ausschließlich Fische gefressen habe, schreiben Kriwet und Kollegen. Zudem machten moderne Haie auch dann keine Jagd auf Amphibien, wenn sich ihnen die Gelegenheit biete. Das neue Fossil belege, dass die Verhältnisse in den urzeitlichen Seen gänzlich anders gewesen seien. Vollständig an das Leben im Süßwasser angepasst, machten Haie damals Jagd auf große Amphibien, deren Rolle erst nach dem Ausgang des Erdaltertums von großen Knochenfischen und Krokodilen übernommen wurde.

Forschung: Jürgen Kriwet, Florian Witzmann und Stefanie Klug, Museum für Naturkunde, Humboldt-Universität zu Berlin; Ulrich H.J. Heidtke, Pfalzmuseum für Naturkunde, Bad Dürkheim; Veröffentlichung in den „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“, DOI 10.1098/rspb.2007.1170

Weiter im Web:
Museum für Naturkunde, Humboldt-Universität Berlin
Pfalzmuseum für Naturkunde
Saar-Nahe-Bergland
Ur- und Frühgeschichte der Haie
Temnospondyli
Ein „Urlurch“ aus der Pfalz

Werbung