Wie die Vögel auf die Bäume kamen

Erst nach und nach haben sich die Vögel die Baumkronen als Lebensraum erschlossen. Für diese Ansicht spricht ein Vergleich moderner und fossiler Vogelfüße, den zwei australische Biologen angestellt haben. Gemessen an ihren nur wenig gekrümmten Krallen, dürften die frühen Vögel ihr Futter vornehmlich am Boden gesucht haben.

Vögel in Baumkrone Foto: Chris Harvey /Fotolia

Eine ähnlich gestreckte Krallenform zeigt sich in der Dinosauriergruppe der Theropoden, der Ahnenschaft der Vögel, berichten Christopher Glen und Michael Bennett von der University of Queensland im Fachblatt „Current Biology“. Offenbar habe die Vogelkralle erst im Laufe der Evolution jene stark gekrümmte Gestalt angenommen, wie man sie bei heutigen Kletterkünstlern finde.

Frühere Studien zu den Wurzeln der Vögel hatten zwischen boden- und baumlebenden Vorfahren unterschieden. Nach Ansicht Glens und Bennetts ist diese Kategorisierung jedoch zu grob, da sich viele moderne Vögel sowohl am Boden als auch im Geäst bewegen und selbst ausgesprochene Bodenvögel spätestens bei der Flucht die Flügel einsetzen. Die beiden Forscher suchten daher, ein feineres Bild zu entwickeln.

Das Duo ermittelte möglichst genau, wie viel Zeit 249 moderne Kuckucks- und Taubenvögel mit der Nahrungssuche am Boden bzw. auf Bäumen verbringen. Bei allen Arten legten sie zudem einen Kreisbogen durch die Kralle der Mittelzehe und bestimmten daran den Winkel zwischen Ansatz und Spitze der Kralle. Je mehr ein Vogel seine Nahrung am Boden sucht, desto kleiner ist dieser Winkel. Weitere Messungen an Straußen und Storchen einerseits und Spechten andererseits bestätigten den Trend.

Krümmt sich die Kralle einer Vogelart um weniger als 100 Grad, suchen die Tiere ihre Nahrung überwiegend am Boden, ermittelten die Forscher. Bei der Vermessung der Fossilien von 12 Theropoden- und Vogelgattungen aus dem Erdmittelalter fanden sie diese Schwelle nur in einem Fall überschritten, und das auch nur knapp. Innerhalb und zwischen den alten Gruppen ließ sich allerdings noch keine systematische Veränderung des Krallenwinkels feststellen. Offenbar brauchte es für diese Entwicklung eine größere Zeitspanne.

Derweil brachten auch die nicht-gefiederten Dinosaurier ausgesprochene Baumspezialisten hervor. Erst kürzlich hatten amerikanische Forscher über die Entdeckung eines Tieres berichtet, das neben Gleithäuten für kurze Flüge auch regelrechte Klammerfüße besessen haben dürfte.

Forschung: Christopher L. Glen und Michael B. Bennett, School of Biomedical Sciences, University of Queensland, St. Lucia; Veröffentlichung in „Current Biology“, Vol. 17(21), R911-R912

Weiter im Web:
School of Biomedical Sciences, University of Queensland
Merkmale der Vögel
Evolution of Birds
Aves: Fossil Record

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