Ein Platz für Panzerwürmer

Eine rätselhafte Gruppe von Fossilien scheint endgültig ihren Platz im Stammbaum der Tiere gefunden zu haben. Gut 150 Jahre nach der Entdeckung der „Schuppenröhren“ hat ein internationales Forschertrio das erste Exemplar gefunden, bei dem sich auch das Weichgewebe abzeichnet. Den borstenbesetzten Stummelfüßen nach zu urteilen, handelt es sich um einen gepanzerten Verwandten des Wattwurms.

fossiler Ringelwurm Rumpf (gelb), Darm (violett), die „Stummelfüße“ (rot), Borstenbüschel (hellgrau), Panzerplatten (dunkelgrau) und deren Ansatzstellen (grün).
Foto und Grafik: Vinther et al. /Nature

Die problematischen Tiere sind Paläontologen als Machaeridien bekannt. Ihre aus Kalk bestehenden Schuppen sind in Ablagerungen aus den Meeren des Erdaltertums sehr häufig. Ihre systematische Stellung war jedoch alles andere als klar. Seit dem Jahr 1857 seien sie mal zu den Seepocken, mal zu den Stachelhäutern, Weichtieren oder Ringelwürmern gerechnet worden, schreiben Jakob Vinther von der Yale University und seine Kollegen im Magazin „Nature“.

Tatsächlich gehören die nicht einmal fingerlangen Tiere zu den Ringelwürmern, der Verwandtschaft von Blutegel, Regenwurm und Wattwurm, sind die Forscher überzeugt. Als Beweisstück führen sie ein selten gut erhaltenes Fossil an, das in Marokko in rund 480 Millionen Jahre altem Tonstein gefunden worden war. Dieses lässt nicht nur vier Längsreihen von Kalkschuppen mit einem filigranen Rippenmuster erkennen. Im feinkörnigen Sedimentgestein erhalten ist auch der Abdruck des weichen Körpers samt Darm und einem Paar „Stummelfüße“ an jedem Körpersegment erhalten.

Diese Stummelfüße (Parapodien) und die daran entspringenden Borstenbündel sprechen dafür, dass es sich bei Plumulites bengtsoni – so die Bezeichnung der neuen Art – um einen Polychaet handelt, einen Borstenwurm. Polychaeten wie der Wattwurm gehören heute zu den erfolgreichsten Bewohnern des Meeresbodens. Auch ihre gepanzerten Verwandten scheinen sich mindestens 170 Millionen Jahre lang gehalten zu haben. Für die Forscher stellt sich damit die Frage, warum die gepanzerten Borstenwürmer verschwanden und warum ihre moderne Verwandtschaft ohne Kalkpanzer auskommt.

Forschung: Jakob Vinther und Derek E.G. Briggs, Department of Geology and Geophysics, Yale University, New Haven, Connecticut; Peter Van Roy, Vakgroep Geologie en Bodemkunde, Universiteit Gent; in „Nature“, Vol. 451, 10. Januar 2008, pp 185-8, DOI 10.1038/nature06474

Weiter im Web:
Homepage Jakob Vinther
Briggs Laboratory, Yale University
Machaeridia
Wattwurm
Annelida

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