Gedeckter Tisch für Dinosaurier

Selbst für einen riesenhaften Sauropoden dürfte die Nahrungssuche keine besondere Herausforderung dargestellt haben. Zu diesem Schluss kommen Bonner und Zürcher Forscher nach Verdauungsexperimenten mit Vertretern alter Pflanzenlinien. Schachtelhalme, Araukarien und andere „lebende Fossilien“ geben demnach nahrhafteres Futter ab, als man ihnen bislang zugetraut hatte.

Schachtelhalm Gut bekömmlich und relativ proteinreich, könnten Schachtelhalme trotz ihres hohen Silikatgehaltes ganz oben auf dem Speisezettel der Sauropoden gestanden haben. Foto: Anna, via wikimedia.org (GnuFDL)

Ein 70 Tonnen schwerer Brachiosaurus brancai hätte von zeitgenössischer Kost kaum 5 Mal mehr fressen müssen als ein 7 Tonnen schwerer Elefant, schätzen Jürgen Hummel von der Universität Bonn und seine Kollegen. Selbst bei einem relativ hochtourigen Stoffwechsel wäre der Riese von Pflanzenmaterial mit knapp 240 Kilogramm Trockenmasse satt geworden, schreibt die Gruppe in den „Proceedings of the Royal Society B“. Sich nicht mit Kauen aufhaltend und zudem mit einem großen Maul ausgestattet, dürfte er dieses Pensum problemlos bewältigt haben.

Sauropoden stellen den Prototyp des urzeitlichen Pflanzenfressers mit langem Hals und langem Schwanz an einem stämmigen Rumpf. Aus noch unklaren Gründen brachte die Gruppe riesenhafte Vertreter hervor. Diese lebten zu einer Zeit, als es viele heutige Futterpflanzen noch nicht gab. Insbesondere die Gräser tauchten wahrscheinlich erst gegen Ende der Kreidezeit auf – kurz vor dem Verschwinden der Dinosaurier.

Eine frühere Studie hatte allerdings ergeben, dass urtümliche Farnähnliche, Farne und Nacktsamer nur wenig Energie liefern könnten. Hummel und Kollegen gingen diese Frage nun mit einer verfeinerten Methodik an: Die Forscher zermahlten verschiedene Pflanzen und setzten ihnen Pansensaft von Schafen zu. Dann verfolgten sie anhand der Gasentwicklung, wie gut das Material von den Pansen-Mikroben aufgeschlossen wurde. Zusätzlich bestimmten sie Eigenschaften wie Protein- und Fasergehalt der Pflanzen.

Viele der „alten“ Gewächse sind nahrhafter als bislang angenommen, ermittelte die Gruppe. Einige übertreffen sogar Gräser und andere moderne Futterpflanzen, allen voran der Schachtelhalm Equisetum. Gut verdaulich und recht proteinhaltig, dürfte er bei kleinen und im Wachstum begriffenen Sauropoden ganz oben auf dem Speisezettel gestanden haben. Die Riesen unter den Sauropoden könnten sich dagegen bequem an Araukarien-Hainen gütlich getan haben. Diese urtümlichen Verwandten der Nadelgewächse enthalten relativ wenig Protein, sind jedoch besonders bekömmlich.

Forschung: Jürgen Hummel u. Carole T. Gee, Institut für Tierwissenschaften und Paläontologisches Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Marcus Clauss, Abteilung Zoo-, Heim- und Wildtiere, Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich; und andere; in „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“, DOI 10.1098/rspb.2007.1728

Weiter im Web:
Tierernährung, Uni Bonn
Biology of Sauropod Dinosaurs: The Evolution of Gigantism
Zoo-, Heim- und Wildtiere, Uni Zürich
Sauropoden
Farnähnliche Pflanzen und Farne

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