Käferfraß an Dinosaurierknochen

An vielen fossilen Knochen hat wohl nicht nur der Zahn der Zeit genagt, sind drei amerikanische Paläontologen überzeugt. Bei der Untersuchung eines Dinosaurierskeletts fanden sie Fraßspuren, wie sie sehr ähnlich von heutigen Käfern produziert werden.

Dino-Knochenfraß 1 Auch die imposante Furche auf diesem Wirbelkörper könnte auf hungrige Speckkäfer zurückgehen, glauben die Forscher. Foto: Brigham Young University

Dieser Fund könne beispielsweise erklären, warum man mitunter Fossilien mit bestens erhaltenen Zähnen finde, während der zugehörige Kieferknochen stark angegriffen sei, glauben Brooks Britt und seine Kollegen von der Brigham Young University im US-Bundesstaat Utah. Bei genauerer Betrachtung zeigten viele fossile Knochen Spuren von Insektenfraß, die bislang schlicht übersehen oder nicht als solche gedeutet worden seien.

Britt und Kollegen machten ihre Entdeckung am Fossil eines Camptosaurus, eines massigen Pflanzenfressers. Wie die Forscher im Fachblatt „Ichnos“ berichten, weisen die gut 148 Millionen Jahre alten Knochen an der Oberfläche zahlreiche, stark gewundene Gräben und Tunnel auf. Die Begutachtung per Elektronenmikroskop offenbarte paarweise parallel verlaufende Furchen in der Wand dieser Gänge. Ganz ähnliche Fraßspuren hinterlassen die mit zwei Zähnen besetzten Kiefer der Speckkäfer.

Dino-Knochenfraß 2 Die „Bearbeitungsspuren“ in den Knochen passen zu den Mandibeln der Speckkäfer. Foto: Brigham Young University

In Haushalten und Museen gleichermaßen gefürchtet, machen sich die kleinen Käfer und ihre Larven über alle Arten organischen Materials her und bohren sich zur Verpuppung selbst in härteste Materialien. Sollten sich tatsächlich frühe Vertreter dieser Käfergruppe an dem Camptosaurus-Skelett zu schaffen gemacht haben, würde dies neue Erkenntnisse über jene Zeit liefern, so die Forscher.

Beispielsweise müsse die Fundregion des Fossils damals ein mildes Klima aufgewiesen haben, während sie heute von einem harschen Gebirgsklima geprägt sei. Auch wären die Speckkäfer-Fraßspuren gut 50 Millionen Jahre älter als die frühesten bekannten Fossilien dieser Käfergruppe, erklärt Britts Kollegin Anne Dangerfield. „Diese Information liefert uns ein genaueres Bild der Umweltbedingungen, wie sie im Zeitalter des Jura und während der Evolution der Insekten herrschten.“

Forschung: Brooks B. Britt, Rodney D. Scheetz und Anne Dangerfield, Earth Science Museum, Department of Geological Sciences, Brigham Young University, Provo, Utah; Veröffentlichung in „Ichnos“ Vol. 15(2), pp 59-71, DOI 10.1080/10420940701193284

Weiter im Web:
Geology, Brigham Young University
Speckkäfer
Knochengewebe
Making Fossils

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